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Wahrnehmung und ökonomische Bewertung waldbasierter kultureller Ökosystemleistungen mit und ohne Erholungsbezug durch die bayerische Bevölkerung

  • Der globale Rückgang der Artenvielfalt, verursacht durch das intensive Eingreifen des Menschen in die Ökosysteme, zählt zu den großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte, nicht zuletzt im Interesse des Menschen, dessen Existenz dadurch zunehmend bedroht wird. Auch Wälder sind von dieser Entwicklung betroffen. In Deutschland über Jahrhunderte zu Forsten umgebildet, die vorwiegend der Holzproduktion dienten, führte dies zu monotonen Strukturen, in denen natürliche Elemente wie Totholz nicht den notwendigen Platz haben, um die zahlreichen davon abhängigen Arten zu versorgen. Derzeit findet jedoch – ausgelöst durch wissenschaftliche Befunde – ein gesellschaftliches Umdenken statt, das natürliche Waldelemente vermehrt in Wirtschaftswälder integrieren möchte. Vor dem Hintergrund der sich durch diese Entwicklungen abzeichnenden Veränderung der Wälder wurde nun erstmals für das deutsche Bundesland Bayern flächenrepräsentativ untersucht, wie die Bevölkerung dieser Veränderung gegenübersteht, und wie die kulturellen Ökosystemleistungen von Wäldern, also die Beiträge des Ökosytems Wald für das menschliche Wohlergehen, wahrgenommen und beurteilt werden. Im Vordergrund standen dabei das natürliche Erbe und die Erholung. Dazu wurde eine repräsentative Online-Befragung mit 2473 Probanden durchgeführt, in die zwei leicht modifizierte Choice Experimente eingebunden wurden. Mit ihrer Hilfe sollten nicht nur die Präferenzen für bestimmte Waldzustände und Maßnahmen zur Sicherung der Artenvielfalt aufgedeckt, sondern auch festgestellt werden, welche Trade-offs zwischen ihren gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Folgen bestehen. Auch die Einstellung der Befragten gegenüber der Natur allgemein, und Totholz speziell, war Gegenstand der Studie. Zudem wurde über Reisekostenmodelle versucht, die Erholungsleistung der bayerischen Wälder zu bemessen, um sie in Relation zu den anderen Leistungen zu setzen. Es zeigte sich, dass die Einstellung der bayerischen Bevölkerung gegenüber der Natur und vor allem gegenüber Totholz überwiegend positiv ist, auch wenn unterschiedliche Formen der Umwelteinstellung identifiziert werden konnten. In den Präferenzanalysen ergaben sich positive Zahlungsbereitschaften für solche Waldnaturschutzprogramme, die zu einer Verbesserung der Habitatverfügbarkeit für gefährdete Arten in allen Wäldern, nicht nur in einzelnen Schutzgebieten führen würden. Dabei sind ebenfalls Unterschiede zwischen verschiedenen Waldmanagementstrategien, sowie zwischen bestimmten sozio-demographischen Subgruppen festzustellen. Darüber hinaus konnte ein hoher Wert der Erholungsleistung der bayerischen Wälder ermittelt werden, der sich nicht wesentlich verändern würde, wenn mehr natürliche Strukturen zugelassen werden. Somit wäre diese kulturelle Ökosystemleistung auch weiterhin gewährleistet, vorausgesetzt, dass keine Extremzustände angestrebt werden. Aus Sicht der Forstpraxis und des Naturschutzes ist von besonderem Interesse, dass die Trade-offs, welche zwischen der Gesellschaft und diesen beiden Akteursgruppen bestehen, allen drei Seiten zugute kommen können.
  • The global decline of biodiversity, caused by the intensive human intervention in ecosystems, will be one of the major challenges of the coming decades, not least in the interest of humans, whose existence is increasingly threatened by this development. Forests are also affected by a loss of species. For centuries, forests in Germany have been transformed into commercial forests that were primarily used for timber production. This led to monotonous structures in which natural elements such as deadwood needed to supply the numerous dependent species are scarce. However, currently – triggered by scientific findings – there is a rethinking in society that increasingly intends to integrate natural forest elements into commercially used forests. Against the background of the changes in forests emerging from these developments, this study examined for the first time the population of the German federal state of Bavaria in a representative manner, regarding two questions: Which attitudes does the population have towards this change? How are the cultural ecosystem services of forests, i.e. the contributions of forest ecosystems to human well-being, perceived and evaluated? The main focus was on natural heritage and recreation. For this purpose, a representative online survey with 2473 respondents was carried out, in which two slightly modified choice experiments were integrated. Thus, the preferences for certain forest conditions and measures to safeguard biodiversity should be identified. Furthermore, trade-offs between the social, ecological and economic consequences of these measures were investigated. The attitude towards nature in general and deadwood in particular was also subject of the study. In addition, travel cost models were used to estimate the recreational value of forests in Bavaria in order to compare them with other ecosystem services. It turned out that the attitude of the Bavarian population towards nature and especially towards deadwood is predominantly positive, although different forms of environmental worldviews were identified. The preference analyses showed positive WTP for forest conservation programs aiming at an improvement of habitat availability for endangered species in all forest, not only in single protected areas. However, differences can be found between forest management strategies and between certain socio-demographic subgroups. In addition, a high recreational value of forests in Bavaria has been determined that would not substantially change if more natural structures are allowed. Therefore, this cultural ecosystem service is furthermore guaranteed, provided that no extreme conditions are sought. From the point of view of forest practice and nature conservation, it is of particular interest that from the existing trade-offs between society and these two stakeholder groups all three sides can benefit.

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Metadaten
Author: Philipp Sacher
URN:urn:nbn:de:gbv:9-opus-39470
Title Additional (English):Perception and economic valuation of forest-based cultural ecosystem services with and without consideration of recreation by the Bavarian population
Referee:Dr. Marius Mayer, Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider
Advisor:Dr. Marius Mayer
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Year of Completion:2020
Date of first Publication:2020/09/14
Granting Institution:Universität Greifswald, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Date of final exam:2020/09/01
Release Date:2020/09/14
Tag:Erholung, Präferenzanalyse, Reisekostenmodell, Totholz, Wälder, kulturelle Ökosystemleistungen, natürliche Waldentwicklung
Choice Experiment
GND Keyword:Experiment, Freistaat Bayern, Präferenz, Wald, Ökosystemdienstleistung
Pagenumber:335
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Geographie und Geologie
DDC class:500 Naturwissenschaften und Mathematik / 550 Geowissenschaften, Geologie
300 Sozialwissenschaften / 330 Wirtschaft / 333.7 Natürliche Ressourcen, Energie und Umwelt