• search hit 1 of 1
Back to Result List

Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-002878-2

Psychologische, situative und anwendungsbezogene Prädiktoren der Nutzung von medizinisch-diagnostischen Selbsttests

  • Aufgrund des Fortschritts in der Entwicklung von innovativen medizinisch-diagnostischen Technologien wie z. B. lab-on-a-chip Systemen, steht der Allgemeinbevölkerung eine Vielzahl an Selbsttests rezeptfrei und frei verkäuflich insbesondere über das Internet beziehbar zur Verfügung. Selbsttests werden definiert als Tests von Körperproben (z. B. Blut, Urin, Stuhl, Speichel), die auf die eigene Initiative des Konsumenten und ohne die Anwesenheit von medizinischem Personal zur Untersuchung von Erkrankungen bzw. Erkrankungsrisiken durchgeführt werden können. Das Ziel dieser Arbeit war es die psychologischen, situativen und anwendungsbezogenen Prädiktoren der Nutzung von medizinisch-diagnostischen Selbsttests zu untersuchen. Es wurden vier Studien durchgeführt, die auf den folgenden drei Erhebungen basierten: (1) einer Repräsentativerhebung von 2.527 Personen in Deutschland, (2) einem faktoriellen Survey mit 1248 Vignetten, die durch 208 Studenten beantwortet wurden sowie (3) einer On-line-Befragung von 505 Selbsttestern und 512 Nicht-Selbstestern, die repräsentativ im Hinblick auf die Verteilung von Alter und Geschlecht zur Teilnahme an der Studie einge-laden wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Nutzung von Selbsttests durch die traditionellen gesundheitspsychologischen Prädiktoren, d.h. Selbstwirksamkeit, wahrgenommene Vulnerabilität, wahrgenommener Schweregrad und Handlungs-Ergebnis-Erwartung, vorhergesagt werden konnte. Nichtsdestotrotz war jedoch eine Adaptation der allgemeinen Konstrukte (z.B. allgemeine Selbstwirksamkeit) an die Situation „Selbsttestung“ notwendig, um die Vorhersagekraft zu verbessern (z.B. selbsttestbezogene Selbstwirksamkeit). Die klassischen Gesundheitsmodelle werden traditionell genutzt, um Gesundheit zu verbessern (z.B. Steigerung der sportlichen Tätigkeit), Krankheiten vorzubeugen (z.B. durch die Einschränkung von Alkohol- und Rauchverhalten) oder Krankheiten zu begrenzen (z.B. Gesundheitsscreenings, Selbstabtastung) und Gesundheit wieder aufzubauen (z.B. Verbesserung der Ernährung). Durch die Aufnahme von (a) Technikaffinität und (b) antizipiertem Affekt bzgl. der Anwendung eines Selbsttests konnte die Vorhersage der Nutzung eines Selbsttests verbessert werden. Darüber hinaus wurde eine Vielfalt an unterschiedlichen persönlichen Gründen für die Nutzung eines Selbsttests genannt. Die häufigsten Gründe waren zur Beruhigung bzw. Bestätigung bei Unsicherheit und Zweifel sowie eine höhere wahrgenommene Vulnerabilität für eine Krankheit. Der Hauptgrund für die Selbsttestung hing insbesondere von der Indikation ab, die untersucht wurde. Schließlich wurden als Grund für die Bevorzugung eines Selbsttests gegenüber der konventionellen Untersuchung bei einem Arzt vor allem praktische Gründe der Anwendung von Selbsttests genannt (z.B. schneller Erhalt der Testergebnisse, Vermeidung von Wartezeiten für Arzttermine). Die persönlichen Gründe für die Selbsttestung könnten die unterschiedlichen Häufigkeiten für die Nutzung von Selbsttests in Deutschland (8,5%) im Vergleich zu den Niederlanden (16%) und dem Vereinigten Königreich (13%) erklären. Beispielsweise wurden in den Niederlanden Präventionskampagnen (z.B. von der Kidney Association oder Municipal Health) durchgeführt, in denen die Nutzung von Selbsttests für die Untersuchung einer Nierenerkrankung und Chlamydien empfohlen und Tests kostenfrei an Laien versendet wurden. Demgegenüber wurden in Deutschland bislang noch keine solchen Kampagnen durchgeführt. Nichtsdestotrotz könnte der Bedarf an und die tatsächliche Nutzung von Selbsttests auch in Deutschland steigen, da die Verfügbarkeit von Selbsttests auf deutschsprachigen Internetseiten steigt und es einen Fachärztemangel insbesondere in ländlichen Gebieten gibt. Darüber hinaus spiegelt sich die große praktische und soziopolitische Relevanz des Themas “Selbsttestung” etwa auch in aktuellen Studien zur selbstständigen Behandlung von Krankheiten mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten (sog. „Selbstmedikation“) wieder. Aus diesem Grund sollte in zukünftigen Studien das Verhalten sowie das emotionale Befinden der Tester nach Erhalt ihrer Testergebnisse genau exploriert werden. Schließlich gaben die Anwender von Selbsttests an, diese insbesondere genutzt zu haben, um sich selbst bzgl. ihres allgemeinen Gesundheitszustandes zu beruhigen. Da vergangene Studien jedoch bereits aufgezeigt haben, dass Informationen zur Sensitivität und Spezifität nur begrenzt in den Anwendungsbeschreibungen von Selbsttests zu finden sind, sollte die Allgemeinbevölkerung im Hinblick auf potentiell falsch-positive und falsch-negative Testergebnisse sowie weitere Handlungsmöglichkeiten besser aufgeklärt werden, um die Anwender nicht in falscher Gewissheit zu belassen.
  • Due to technological breakthroughs in the development of medical-diagnostic devices such as lab-on-a-chip systems, a large number of self-tests are available freely and free of charge to the general population, especially via the Internet. Self-tests are defined as tests of body samples (e.g. blood, urine, stool, saliva) to detect a disease or risk of a disease, which are initiated by the consumers themselves without the presence of medical personnel. The aim of this work was to investigate the psychological, situational and application-related predictors of the use of medical-diagnostic self-tests. Four studies were conducted based on the following three surveys: (1) a representative survey of 2,527 people in Germany, (2) a factorial survey with 1248 vignettes answered by 208 students, and (3) an online survey of 505 self-testers and 512 non-self-testers, which were representative of the age and gender distribution in Germany. The results showed that the use of self-tests could be predicted by the traditional health-psychophysical predictors, i.e. self-efficacy, perceived vulnerability, perceptual severity and outcome expectancy. However, adaptations of the general constructs (e.g. general self-efficacy) to the situation of "self-testing" were necessary in order to improve the predictive value (e.g. self-test-related self-efficacy). The classical health models are traditionally used to promote health (e.g. increasing sport activities), to prevent illnesses (e.g. by restricting alcohol and smoking behaviours), to restrict illnesses (e.g. health screening, self-examination) and to restore health (e.g. improvement of the diet). The prediction of the use of a self-test could be improved by adding (a) technological affinity and (b) anticipated affect regarding the use of a self-test into the models. In addition, a variety of different personal reasons were mentioned for the use of a self-test. The most frequent reasons were for reassurance or confirmation in case of uncertainty and doubt, as well as a higher perceived vulnerability for a disease. The main reason for self-testing was strongly associated with the disease the user expected to detect. Finally, self-tests were preferred over a diagnosis by a health professional because of practical advantages of the application of a self-test (e.g. rapidly receiving the test results, avoiding waiting times for medical appointments). The personal reasons for the self-testing could explain the different frequencies for the use of self-tests in Germany (8.5%) compared to the Netherlands (16%) and the United Kingdom (13%). In the Netherlands, prevention campaigns were conducted (e.g. by the Kidney Association or the Municipal Health), which recommended the use of self-tests to diagnose kidney diseases and chlamydia, and sent those self-tests free of charge to interested laypeople. In contrast, in Germany so far, no such campaigns have been conducted. Nonetheless, the demand for and the actual use of self-tests could also rise in Germany, since the availability of self-tests on German language websites is increasing and given the current shortage of physicians in Germany, especially in rural areas. In addition, the great practical and socio-political relevance of the subject "self-testing" is also reflected, for example, in current studies on the self-treatment of diseases with non-prescription medicines (so-called "self-medication"). For this reason, in future studies, the behaviour as well as the emotional state of the testers after receiving their test results should be explored in-depth. Finally, the users of self-tests stated that they had used them in order to calm themselves regarding their general state of health. However, since past studies have already shown that information on sensitivity and specificity are limited in the instruction leaflet of self-tests, the general population should be better enlightened about the possibility of false-positive and false-negative test results as well as further possible actions in order not to leave the users in false certainty.

Download full text files

Export metadata

Additional Services

Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Author: Pinar Kücükbalaban
URN:urn:nbn:de:gbv:9-002878-2
Title Additional (English):Psychological, situational and application-related predictors of using medical-diagnostic self-tests
Advisor:Prof. Dr. Silke Schmidt
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2017/10/02
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2017/07/05
Release Date:2017/10/02
Tag:Heimtest, Schnelltest, Selbstdiagnose, Selbsttest, Theorien des Gesundheitsverhaltens
Health behaviour (theories), home test, rapid test, self-diagnosis, self-testing
GND Keyword:Affekt, Handlungs-Ergebnis-Erwartung, Selbstwirksamkeit, Technikaffinität, wahrgenommene Vulnerabilität, wahrgenommener Schweregrad
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Psychologie
DDC class:100 Philosophie und Psychologie / 150 Psychologie