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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-001166-5

Suchtprävention in der Grundschule - Effekte der Programme Eigenständig werden und Klasse2000

  • Fragestellung: Anhand des Lebenskompetenzprogramms Eigenständig werden sowie des Suchtpräventions- und Gesundheitsförderungsprogramms Klasse2000 sollen die Effekte von Grundschulprogrammen sowohl auf Vorläufer des Einstiegs in den (problematischen) Substanzkonsum als auch auf das erste Experimentieren mit psychotropen Substanzen wie Zigaretten und Alkohol untersucht werden. Zusätzlich soll überprüft werden, inwieweit Klasse2000 aufgrund der angestrebten Korrektur rauchbezogener Normen zu iatrogenen Effekten in Form von Bullying sowie zu erwünschten Effekten in Form der Erhöhung der Resistenz gegenüber sozialen Einflüssen führt. Methodik: Eigenständig werden sowie Klasse2000 begleiten die Kinder über die gesamte Grundschulzeit. Eigenständig werden umfasst 42 45- bis 90-minütige Einheiten (10 pro Schuljahr), die durch trainierte Lehrkräfte im Unterricht umgesetzt werden. Für Klasse2000 existieren Ausarbeitungen für 48 45- bis 90-minütige Einheiten (14 bis 15 pro Schuljahr), deren Durchführung sowohl durch Lehrkräfte als auch durch Klasse2000-Gesundheitsförderer im schulischen Alltag erfolgt. Zu Eigenständig werden wurde eine vierjährige quasiexperimentelle Kontrollgruppenstudie mit Messwiederholung in Sachsen durchgeführt. Daten zur Baseline und zu mindestens einem weiteren Befragungszeitpunkt lagen für 919 Schüler aus 50 Grundschulen vor. Aufgeteilt auf die Bedingungen „Teilnahme an Eigenständig werden“ und „Keine Teilnahme an Eigenständig werden“ wurden die Schüler anhand von Lehrkrafturteilen zu der Ausprägung ihrer Lebenskompetenzen sowie ihrer externalisierenden und internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten, die als Vorläufer des späteren Substanzkonsums identifiziert werden konnten, mittels Mehr-Ebenen-Wachstumskurvenmodellen verglichen. Zur Überprüfung der Programmeffekte von Klasse2000 wurde eine vierjährige Kontrollgruppenstudie mit Messwiederholung in Hessen realisiert. Während in Klassen der Interventionsgruppe das Präventionsprogramm Klasse2000 kontinuierlich über den Verlauf der Grundschulzeit umgesetzt wurde, nahmen Klassen der Kontrollgruppe „lediglich“ am normalen Unterricht teil. Zur Beantwortung der Fragestellung, inwieweit sich Klasse2000 auf den Einstieg in den Substanzkonsum auswirkt, wurden die Ende der dritten Klasse als Nie-Raucher (N=1.027), Nie-Trinker (N=1.072) und gleichzeitig als Nie-Raucher und Nie-Trinker (N=979) identifizierten Schüler am Ende der vierten Klasse hinsichtlich der Inzidenz des Substanzkonsums verglichen. Hierzu wurden multiple hierarchische Poisson-Regressionen unter Kontrolle soziodemographischer Charakteristika sowie sozialer Einflussfaktoren berechnet. In die Analysen der Programmeffekte auf Bullying sowie die Resistenz gegenüber sozialen Einflüssen gingen alle 1.096 Schüler, von denen Ende der dritten und vierten Klasse Daten vorlagen, mit ein. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Methoden und Regressionsverfahren. Ergebnisse: Die Teilnahme an Eigenständig werden führte im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer stärkeren Abnahme sowohl externalisierender als auch internalisierender Verhaltensauffälligkeiten (p<0,01). Eine besonders starke Abnahme konnte unter Schülern mit höheren Ausgangswerten hinsichtlich externalisierender Verhaltensauffälligkeiten beobachtet werden (p<0,01). Keine Programmeffekte ergaben sich hinsichtlich der Entwicklung von Lebenskompetenzen (p=0,22). Die Untersuchungen zu Klasse2000 ergaben signifikante Effekte auf den Einstieg in den Zigaretten- als auch den generellen Substanzkonsum, d. h. den Konsum von Zigaretten, Alkohol oder beidem (p=0,031 bzw. p=0,010). Die Number needed to treat wies einen Wert von 28 für den Zigaretten-, und einen Wert von 19 für den generellen Substanzkonsum auf. Hinsichtlich der Rate des Einstiegs in den heimlichen Alkoholkonsum unterschieden sich die Interventions- und die Kontrollgruppe nicht (p=0,092). In den weiterführenden Analysen bezüglich der möglichen Auswirkungen der angestrebten Korrektur rauchbezogener Normen konnte kein Unterschied zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe hinsichtlich der Auftretenshäufigkeit von Bullying gegenüber rauchenden Mitschülern (p>=0,118), jedoch hinsichtlich der Stärke des Einflusses rauchender Freunde gefunden werden, d. h. in der Interventionsgruppe fiel der Einfluss rauchender Freunde auf den Rauchbeginn der Schüler bedeutsam geringer aus (p<=0,001). Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Studien deuten auf die Effektivität der untersuchten Grundschulprogramme Eigenständig werden und Klasse2000 hin, Vorläufer des späteren (problematischen) Substanzkonsums bedeutsam reduzieren bzw. den Einstieg in den Substanzkonsum zumindest zeitlich verzögern zu können. Zumindest für Klasse2000 bestehen zudem Hinweise, dass das Programm trotz der angestrebten Normenkorrektur hinsichtlich des Rauchens nicht zu einer Zunahme an Bullying führt, jedoch zu einer Erhöhung der Resistenz gegenüber sozialen Einflüssen beitragen kann.
  • Aims: Effects of the elementary school programmes Eigenständig werden and Klasse2000 on risk factors of onset of (problematic) substance use as well as on onset of use of psychotropic substances such as cigarettes or alcohol were investigated. Additionally, it was tested whether Klasse2000, which aims at the denormalisation of smoking, causes iatrogenic effects such as bullying as well as positive effects such as increased resistance to social influences. Methods: Eigenständig werden as well as Klasse2000 last over the whole period of elementary school. The life skills programme Eigenständig werden consists of 42 45- to 90-minute units (10 units per grade) implemented in regular class by trained teachers. Klasse2000, an addiction prevention and health promotion programme, comprises 48 45- to 90-minute units (14 to 15 per grade) which are implemented in regular class by teachers and health promoters. The study of programme effects of Eigenständig werden was based on a four-year quasi-experimental controlled trial with repeated measures. 919 students from 50 elementary schools separated into the two arms “Participation in Eigenständig werden” and “No participation in Eigenständig werden” were compared regarding development of life skills as well as externalizing and internalizing behaviour, the last two of which being identified risk factors of later (problematic) substance use. Data were analysed using multilevel growth-curve models. Outcomes were assessed by teachers’ ratings. The investigation of programme effects of Klasse2000 on, amongst others, onset of use of cigarettes or alcohol was based on a four-year control group study with repeated measures. Separated into the two arms “Participation in Klasse2000“ and ”No participation in Klasse2000“ students who had never smoked (N=1,027), who had never drunk alcohol (N=1,072), and who had never smoked nor drunk alcohol (N=979) at end of grade three, respectively, were compared regarding their onset of substance use at the end of grade four. Therefore, multiple hierarchical poisson regressions were conducted. Results were adjusted for several covariates e. g. socioeconomic characteristics and factors of social influence. To test the effects of Klasse2000 on bullying as well as on resistance to social influences the data of all 1,096 students who had been surveyed at the end of third and fourth grade were analysed using descriptive and regressions methods. Results: Concerning Eigenständig werden growth-curve models revealed that the rate of decline in internalizing and externalizing behaviour was significantly higher in the intervention group – especially for students with high baseline levels of externalizing behaviour (p<0.01). No general programme effects on the development of life skills could be found (p=0.22). Analyses on Klasse2000 yielded significant programme effects on the onset of smoking (p=0.031) and the onset of use of any of the considered substances (p=0.010). The number needed to treat for onset of smoking was 28, for onset of substance use in general 19. No programme effects were found on the onset of covert drinking (p=0.092). Further analyses of programme effects of Klasse2000 on bullying as well as on resistance to social influences revealed no difference in extent of bullying against smoking students between intervention and control group (p>=0.118). However, influence of smoking friends on student’s smoking onset was reduced in intervention group (p<=0.001). Conclusion: Results of the current study indicate effectiveness of the elementary school programmes Eigenständig werden and Klasse2000 in reducing identified risk factors of later (problematic) substance use and in delaying onset of use of psychotropic substances, respectively. Concerning Klasse2000, there is additional evidence that the programme, despite aiming at the denormalisation of smoking, does not increase bullying in class but resistance to smoking friends.

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Metadaten
Author: Karin Maruska
URN:urn:nbn:de:gbv:9-001166-5
Title Additional (English):Prevention of addiction in elementary school – effects of the programmes Eigenständig werden and Klasse2000
Advisor:Prof. Dr. Arnold Lohaus, Prof. Dr. Hannelore Weber
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2012/01/23
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2011/12/09
Release Date:2012/01/23
Tag:alcohol, elementary school, prevention, smoking
GND Keyword:Alkohol, Grundschule, Prävention, Rauchen
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Psychologie
DDC class:100 Philosophie und Psychologie / 150 Psychologie