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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-opus-34857

Entwicklung diskriminierender und bioprädiktiver Methoden zur Bestimmung der Wirkstofffreisetzung aus langwirksamen kontrazeptiven Darreichungsformen

  • Die Entwicklung von Methoden zur Bestimmung der Wirkstofffreisetzung aus verschiedenen Arzneiformen hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Einerseits werden diese Methoden im Rahmen der routinemäßigen Qualitätskontrolle genutzt, andererseits können diese Methoden auch in einer frühen Phase der Entwicklung einer neuartigen Darreichungsform hilfreich sein. Weiterhin werden heutzutage auch biorelevante Aspekte in Methoden zur Bestimmung der Wirkstofffreisetzung eingebracht, um aus den Ergebnissen der In-vitro-Wirkstofffreisetzung mögliche In-vivo-Profile vorherzusagen. Aufgrund der steigenden Anzahl an langwirksamen Arzneimitteln auf dem Markt wird die Nachfrage nach beschleunigten Methoden zur Bestimmung der Wirkstofffreisetzung auch von Seiten der Behörden steigen. Ein Ziel der vorliegenden Arbeit war die Entwicklung von diskriminierenden und beschleunigten Methoden zur Bestimmung der Wirkstofffreisetzung aus LNGB-haltigen Injektionssuspensionen unterschiedlicher Partikelgrößen. Auf Grundlage der zu entwickelnden Methode sollte es demnach möglich sein, trotz Beschleunigung der Methode zwischen den verschiedenen Partikelgrößen, welche in einem Bereich von 8-41 μm lagen, zu unterscheiden. Zunächst wurde die Sättigungslöslichkeit von LNGB in verschiedenen Medien, welche später in den Freisetzungsuntersuchungen eingesetzt werden sollten, bestimmt. Aufgrund der schlechten Löslichkeit von LNGB in den Freisetzungsmedien wurde diesen eine variierende Menge an SDS zugesetzt, um die Löslichkeit zu steigern. Für die Bestimmung der Wirkstofffreisetzung wurden Methoden sowohl für die Blattrührer-Apparatur als auch für die Durchflusszelle entwickelt. In einer ersten Versuchsreihe in der Blattrührer-Apparatur wurde der Einfluss der zugesetzten Tensid-Menge auf die Wirkstofffreisetzung untersucht. Um in den Versuchen mindestens dreifache Sink-Bedingungen einzuhalten, wurden alle nachfolgenden Versuche mit einem Zusatz von 0,75 % SDS zu dem entsprechenden Freisetzungsmedium durchgeführt. In einem systematischen Screening wurde der Einfluss der Umdrehungsgeschwindigkeit, des Freisetzungsmediums und der Temperatur in der Blattrührer-Apparatur untersucht. In allen durchgeführten Versuchen konnten signifikante Unterschiede in den MDTs zwischen der Gruppe der kleineren Partikel (Suspensionen mit sehr kleinen und kleinen LNGB-Partikeln) und der Gruppe der größeren Partikel (Suspensionen mit mittleren und großen LNGB-Partikeln) beobachtet werden. Den größten Einfluss auf die Wirkstofffreisetzung aus den LNGB-haltigen Injektionssuspensionen zeigte die Erhöhung der Temperatur von 37,0 °C auf 50,0 °C. Für die Bestimmung der Wirkstofffreisetzung in der Durchflusszelle wurde sowohl eine Methode unter Verwendung eines offenen Systems als auch eine Methode für die Verwendung der Durchflusszelle im geschlossenen System entwickelt. Für beide Modi wurde der Einfluss der Flussrate (10 mL/min vs. 20 mL/min) untersucht. Die Bestimmung der Wirkstofffreisetzung aus den LNGB-haltigen Injektionssuspensionen im offenen System brachte einige Nachteile mit sich. So wurden innerhalb der ersten Minuten trotz entsprechender Filterpackung die LNGB-Partikel aus der Zelle herausgespült. Darüber hinaus wurde durch die relativ hohe Flussrate eine große Menge an Freisetzungsmedium benötigt. Aus diesem Grund wurde der Einfluss der Temperaturerhöhung auf die Wirkstofffreisetzung aus den LNGB-haltigen Injektionssuspensionen unter Verwendung der Durchflusszellen-Methoden nur im geschlossenen System untersucht. Ähnlich wie bei den Ergebnissen der Wirkstofffreisetzung in der Blattrührer-Apparatur zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Ergebnissen der Wirkstofffreisetzung aus den Suspensionen bei 37,0 °C und 50,0 °C. Eine Unterscheidung zwischen der Gruppe der kleineren LNGB-Partikel und den größeren LNGB-Partikeln war bei den verschiedenen Flussraten und auch unter den Testbedingungen der erhöhten Temperaturen möglich. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit war die Entwicklung eines neuen bioprädiktiven Freisetzungsmodells für Vaginalringe. Dieses neue Modell sollte in der Lage sein, den sogenannten burst release, welcher für Vaginalringe des Reservoir-Typs beobachtet werden kann, in vitro zu erfassen. Als burst release wird eine im Vergleich mit der täglichen Freisetzungsrate initial höhere Freisetzungsrate bezeichnet, welche zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Die untersuchten Formulierungen, der NuvaRing® und der Cyclelle®-Ring, sind Vertreter der Vaginalringe vom Reservoir-Typ. Vaginalringe vom Reservoir-Typ bestehen aus einem Kernpolymer, welches die beiden Steroidhormone EE und ENG enthält. Das Kernpolymer wird wiederum von einer wirkstofffreien Membran umgeben, welche die Wirkstofffreisetzung der Steroidhormone aus dem Kernpolymer maßgeblich steuert. Während der Lagerung solcher Vaginalringe vom Reservoir-Typ diffundieren EE und ENG in die Membran, bis in dieser die beiden Wirkstoffe in einem gesättigten Zustand vorliegen. Aufgrund der Sättigung der Membran kommt es nach Einsetzen des Vaginalrings zum Auftreten des burst release. In bisherigen Versuchen zur Bestimmung der Wirkstofffreisetzung aus Vaginalringen mit einfachen Shake-flask-Methoden wurde der burst release nicht erfasst, da häufig nur alle 24 h eine Probennahme und anschließend ein kompletter Tausch des Freisetzungsmediums erfolgte. Das neu entwickelte Freisetzungsmodell sollte biorelevanter gestaltet werden als die bisherigen Shake-flask-Methoden. Daher wurden in dem neuen Modell zwei weitere Kompartimente integriert, welche die Absorption der Steroidhormone ähnlich der In-vivo-Situation, berücksichtigen sollten. Da die Daten, welche mit dem neu entwickelten Freisetzungsmodell erhoben wurden, später mit In-vivo-Plasmaspiegeln aus klinischen Studien mit dem NuvaRing® und dem Cyclelle®-Ring korreliert werden sollten, wurden die Probennahmezeitpunkte für die In-vitro-Wirkstofffreisetzungsuntersuchungen aus den klinischen Studien adaptiert. Aufgrund der schlechten Löslichkeit von EE und ENG und der geringen Volumina, welche im neuen Freisetzungsmodell eingesetzt wurden, wurde den Freisetzungsmedien 0,5 % SDS zugesetzt, um zehnfache Sink-Bedingungen zu gewährleisten. Die Wirkstofffreisetzung aus dem NuvaRing® und dem Cyclelle®-Ring wurde sowohl mit der modifizierten Shake-flask-Methode als auch mit dem neu entwickelten Freisetzungsmodell bestimmt. Der burst release wurde mit dem neuen Freisetzungsmodell besser als mit der modifizierten Shake-flask-Methode erfasst. Auch die deklarierten täglichen Freisetzungsraten von 120 μg ENG und 15 μg EE aus den untersuchten Vaginalringformulierungen wurden in dem neu entwickelten Freisetzungsmodell erreicht. Nach dem sogenannten burst release setzten beide untersuchte Formulierungen EE und ENG nach einer Kinetik 0. Ordnung frei. Die In-vitro-Freisetzungsdaten, welche einer Kinetik 0. Ordnung folgten, wurden mit den dekonvulierten In-vivo-Plasmaspiegeln korreliert. Für beide In-vitro-Methoden konnte für EE ein linearer Zusammenhang gefunden werden. Das neu entwickelte Freisetzungsmodell stellt einen vielversprechenden Ansatz für die Prüfung der Wirkstofffreisetzung aus Vaginalringen dar. Mit Hilfe des neuen Modells konnte der burst release aus Vaginalringen vom Reservoir-Typ besser erfasst werden als mit den bisher verwendeten Shake-flask-Methoden. Trotz der geringen Volumina, welche im neu entwickelten Freisetzungsmodell eingesetzt wurden, konnten durch den Zusatz von 0,5 % SDS zehnfache Sink-Bedingungen in beiden Kompartimenten erreicht und während der Versuche eingehalten werden. Erste Korrelationen mit den aus In-vivo-Plasmaspiegeln berechneten absorbierten EE-Fraktionen und den kumulativ freigesetzten EE-Mengen zeigten einen linearen Zusammenhang zwischen der in vivo absorbierten Fraktion und der in vitro kumulativ freigesetzten Wirkstoffmenge.
  • In the last decades, the development of methods for drug release testing of different dosage forms has gained in importance. These methods are used for quality control and they can also be useful in early stage development of novel dosage forms. Today, biorelevant aspects are also included in methods for determining drug release of dosage forms. The implementation of biorelevant aspects can be a useful tool for predicting in vivo profiles based on results of in vitro drug release studies. Due to the increasing number of long-acting dosage forms on the market, there will be an increasing demand for accelerated drug release methods. One objective of this thesis was the development of discriminative and accelerated in vitro test methods for the determination of drug release from LNGB-containing injectable suspensions of different particle sizes. Based on the method to be developed, it should be possible to distinguish between the different particle sizes, which were in the range of 8-41 µm, despite acceleration of the method. In a first step, the saturation solubility of LNGB was determined in different dissolution media. Due to the poor solubility of LNGB in the investigated dissolution media, a varying amount of SDS (sodium dodecyl sulfate) was added to increase LNGB solubility in the respective media. For investigating drug release of the LNGB injectable suspensions, methods for USP apparatus II and for USP apparatus IV were developed. In a first set of experiments performed in the USP apparatus II, the influence of the added amount of SDS was investigated. To reach a minimum of 3-fold sink conditions, all of the following tests were performed with an addition of 0,75 % SDS. In a systematic screening, the influence of the agitational speed, the dissolution medium and the temperature on LNGB drug release in USP apparatus II was investigated. In all performed experiments significant differences could be observed between the group of smaller particles (suspensions with very small and small LNGB particles) and the group of larger LNGB particles (suspensions with medium and large LNGB particles). The greatest influence on LNGB drug release from the investigated injectable suspensions was obtained by increasing the temperature from 37,0 °C to 50,0 °C. Drug release from LNGB injectable suspensions was also investigated using the USP apparatus IV (flow-through cell, FTC). The FTC was used either in open-loop or closed-loop mode. In the open-loop mode as well as in the closed-loop mode the influence of the flow rate, i.e. 10 mL/min or 20 mL/min, on LNGB release was investigated. Determining the LNGB release with the open-loop configuration showed several disadvantages. During the first minutes of the test LNGB particles were rinsed out despite appropriate filter packing in the FTC head. In addition, the relatively high flow rate required a large amount of dissolution medium. For this reason, the influence of the increased test temperatures on the drug release from the LNGB injectable suspensions using the FTC was only investigated in the closed-loop configuration. Similar to the LNGB release results obtained with the USP 2 apparatus, a significant difference between the results of the LNGB release from the suspensions at 37.0 °C and 50.0 °C could be observed. A distinction between the group of smaller LNGB particles and the larger LNGB particles was possible at the different flow rates as well as under test conditions with elevated temperatures. Another aim of this thesis was the development of a novel bio-predictive dissolution method for vaginal rings. This novel method should be able to detect the so-called burst release in vitro that can be observed for reservoir-type vaginal rings. A burst release is characterized by an initial high drug release rate compared to daily release rates and can lead to unwanted side effects. The investigated formulations, the NuvaRing and the Cyclelle ring, are representatives of the reservoir-type vaginal rings. Reservoir-type vaginal rings consist of a core polymer in which both APIs, i.e. ethinyl estradiol (EE) and etonogestrel (ENG) are homogenously dispersed. The core polymer is surrounded by a drug-free membrane, which controls the release of both APIs. During the storage of such reservoir-type vaginal rings, EE and ENG diffuse into the membrane until both hormones are present in a saturated state. Due to the saturation of the membrane, the burst release occurs after insertion of a vaginal ring. In previous experiments for determining drug release from vaginal rings with the so-called shake-flask method the burst release was not detected since samples are only taken every 24 h followed by a complete exchange of the dissolution medium. The novel dissolution method should be more biorelevant than the existing shake-flask methods. Therefore, two further compartments were integrated in the novel dissolution cell, which should simulate the absorption of EE and ENG similar to the in vivo situation. Since the data obtained with the novel dissolution method were later to be correlated with in vivo plasma levels from clinical studies with the NuvaRing and the Cyclelle vaginal ring, the sampling time points for the in vitro drug release experiments were adapted from the clinical in vivo studies. Due to the poor solubility of EE and ENG and the low volumes used in the novel dissolution cell, 0.5 % SDS was added to the dissolution media to provide tenfold sink conditions throughout the experiment. Drug release from the NuvaRing® and the Cyclelle® vaginal ring was determined using both the modified shake-flask method and the novel dissolution method for vaginal rings. The burst release could be more accurately detected by the novel dissolution method than the commonly used shake-flask method. The declared daily release rates of 120 μg ENG and 15 μg EE from the investigated vaginal ring formulations were also achieved with the novel dissolution method. Following the burst release both investigated vaginal ring formulations released EE and ENG following zero-order kinetics. The in vitro release data, which followed a zero-order kinetic, were correlated with the deconvoluted in vivo plasma levels. For both in vitro methods a linear correlation could be found for EE. The novel dissolution method represents a promising approach for determining drug release from vaginal ring formulations. With the help of the novel dissolution method, the burst release from reservoir-type vaginal rings could be determined better than with the commonly used shake-flask methods. Despite the low volumes used in the novel dissolution cell, the addition of 0.5 % SDS allowed tenfold sink conditions in both compartments throughout experiments. Correlations of the absorbed EE fractions deconvoluted from in vivo plasma levels and the cumulatively in vitro released EE amounts showed a linear relationship between the in vivo absorbed fraction and the in vitro cumulatively released drug amount.

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Metadaten
Author: Katharina Tietz
URN:urn:nbn:de:gbv:9-opus-34857
Title Additional (English):Development of discriminative and bio-predictive drug release methods for long-acting contraceptive dosage forms
Referee:Prof. Dr. Sandra Klein, Prof. Dr. Eva Roblegg
Advisor:Prof. Dr. Sandra Klein
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Year of Completion:2019
Date of first Publication:2020/01/08
Granting Institution:Universität Greifswald, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Date of final exam:2019/11/25
Release Date:2020/01/08
Tag:Biopharmazie, Ethinylestradiol, Etonogestrel, In-vitro, Injektionssuspensionen, Langwirksame Kontrazeptiva, Levonorgestrelbutanoat, Medroxyprogesteronacetat, Vaginalringe, Wirkstofffreisetzung
GND Keyword:Pharmazie
Pagenumber:169
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Pharmazie
DDC class:500 Naturwissenschaften und Mathematik / 540 Chemie