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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-000813-6

Rechtsmedizin in der Weimarer Republik

  • Zusammenfassung „Rechtsmedizin in der Weimarer Republik“ In dem hier thematisch eingegrenzten Zeitraum der Arbeit, der Weimarer Republik von 1918-1933, vermochte sich die Gerichtliche Medizin gegen äußere Angriffe (von Vertretern anderer Disziplinen) und innere Widerstände (Konflikte innerhalb der eigenen Ärzteschaft zur Definition des Faches) als eigenständiges Fach, insbesondere gegenüber der Pathologie, durchzusetzen. Bei der Betrachtung der Gerichtlichen Medizin innerhalb der deutschen Universitäten lässt sich sagen, dass an einigen der Universitäten schon früh gerichtsmedizinische Vorlesungen nachgewiesen werden können. Eine kontinuierliche Lehrtätigkeit dagegen fand kaum statt. Häufig wurde das Fach nur im Nebenamt und zumeist auch nur von Klinikern anderer Fachdisziplinen vertreten. Erst mit Aufkommen der Staatsarzneikunde war diese Aufgabe fast ausschließlich den bestallten Vertretern zugefallen und hatte so 1833 zum ersten deutschen Institut für Gerichtliche Medizin in Berlin, der „Unterrichtsanstalt für Staatsarzneikunde“, geführt. Nach dem Zerfall der Staatsarzneikunde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Gerichtsmedizin ein um seine Anerkennung ringendes Fach in Deutschland. Die Notwendigkeit der Gerichtlichen Medizin wurde zwar von vielen Universitätsprofessoren anerkannt, jedoch sollte sie durch Ordinarien der verschiedenen Fachgebiete vertreten werden. Die unterschiedliche Auffassung der einzelnen Fachvertreter über die Definition und die Grenzen des Faches war ebenfalls nicht förderlich für die Entwicklung der Gerichtsmedizin. Trotz unterschiedlicher Ansichten und der teilweise noch nicht vollzogenen Abgrenzung zu Nachbardisziplinen hat sich die Gerichtsmedizin dann in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als eigenständiges medizinisches Fach durchsetzen können. Nach dem 1. Weltkrieg kam in den 20-er Jahren eine Phase des Aufschwungs. Es folgten weitere Institutsgründungen, Extraordinariate wurden in persönliche Ordinariate umgewandelt, und bestehende Institute wurden sowohl personell als auch technisch besser ausgestattet und das Fach wurde 1924 Prüfungsfach im medizinischen Staatsexamen. Konfliktbeladen blieb über viele Jahre die Frage nach der Zugehörigkeit der Forensischen Psychiatrie, der forensischen Toxikologie und der wissenschaftlichen Kriminalistik zum Fach. Insbesondere letztere sollte nach Auffassung mancher Fachvertreter die „Verwissenschaftlichung“ der Sachverständigentätigkeit fördern, da es den wissenschaftlich vorgebildeten Sachverständigen in der Form noch nicht gab. Und nicht nur an den Universitäten kämpften die Gerichtsmediziner um Anerkennung. Parallel dazu forderten sowohl Kreisärzte als auch Gerichtsärzte, die kreisärztliche Tätigkeit vollständig von der gerichtsärztlichen Tätigkeit zu trennen. In den 20-er Jahren bildeten sich verschiedene Subdisziplinen weiter aus (forensische Psychiatrie, forensische Toxikologie), und mit der Weiterentwicklung der diagnostischen Methoden (z.B. Blutgruppenserologie, Blutalkoholbestimmung nach Widmark) und der Integration von Sozialer Medizin und Kriminalistik festigte sich trotz der damit einhergehenden Konflikte und Auseinandersetzungen der Status der Gerichtlichen Medizin als eigenständiges Fach.
  • Summary „Forensic pathology during Weimarer Republic“ During the discussed area of this evaluation, the Weimarer Republic, forensic medicine was established as a defined subspecialty, well discriminated from surgical pathology. This was done despite offences from the outside, concerning representatives from other disciplines, or inner conflicts, concerning ongoing debates between forensic pathologists about the definition of forensic pathology. Whereas a few German universities held lectures of forensic pathology even at the beginning of the … century, a continuity was seldom achieved. Often forensic pathology was represented by clinicians rather than the forensic pathologists. In 1833 the first german institute of forensic pathology was founded in Berlin, named “Unterrichtsanstalt für Staatsarzneikunde” and was then represented by official lectures. Because of the collaps of the “Staatsarzneikunde” in the second half of the 19th century, forensic pathology was forced to fight for its recognition. Although a lot of universial professors accepted the necessity of forensic pathology, a representation by its own professors and lecturers was meant to be neglectable. The different opinions of the official representatives concerning the definition and boundaries of the specialty hampered the development of forensic pathology. Despite these facts and incomplete contours, forensic pathology was established as an independent medical specialty. After World War I an increase in new institutes, new professorship and improvement in personal and technical equipment could be seen and by 1924 forensic pathology was part of the board examinations. The discussion about the affiliation of forensic psychiatry, forensic toxicology and criminalistics was ongoing for many years. Especially criminalistics were thought to push the scientific aspect of the specialty and increase the scientific knowledge of the consultants to become expert witnesses. During the 1920´s subspecialties, e.g. forensic psychiatry, forensic toxicology, were formed. In spite of the conflicts and confrontations the status of forensic pathology as an autonomous specialty was confirmed. This might also be due to the further development of diagnostic methods and the integration of social medicine and criminalistics.

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Metadaten
Author: Tina Junkers
URN:urn:nbn:de:gbv:9-000813-6
Title Additional (English):Forensic Pathology during Weimarer Republic
Advisor:Prof. Dr. Eberhard Lignitz
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2010/07/13
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Medizinische Fakultät (bis 2010)
Date of final exam:2010/06/09
Release Date:2010/07/13
GND Keyword:Rechtsmedizin
Faculties:Universitätsmedizin / Institut für Rechtsmedizin
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit