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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-002659-9

Der Einfluss von Nutzung und Wiedervernässung auf die Fauna der Niedermoore

  • Niedermoore beherbergen eine einzigartige Flora und Fauna. Aber Niedermoore sie sind auch stark bedroht. So ist von der ursprünglichen Moorfläche Deutschlands nur noch ein Prozent erhalten. Es stellt sich also die Frage, wie sich diese Restflächen möglichst effektiv managen lassen, um diese einzigartige Biodiversität zu schützen. Zudem werden die verbliebenen Niedermoorflächen wahrscheinlich nicht ausreichen, um besonders stark gefährdete Arten auch langfristig zu erhalten. Es wird also nötig sein, degradierte Niedermoorstandorte zu renaturieren, um ausreichend Lebensraum für besonders stark gefährdete Niedermoorarten zu reetablieren. Aus diesem Grunde wurde in dieser Arbeit sowohl der Einfluss unterschiedlicher Nutzungsformen wie auch von Renaturierungsmaßnahmen auf die Biodiversität der Niedermoore untersucht. Die Untersuchungen wurden zwischen 2011 und 2012 im Unteren Peenetal in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Als Indikatorgruppen wurden die Vögel (Aves), Tagfalter (Lepidoptera), Heuschrecken (Ensifera und Caelifera) und Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae) ausgewählt, um den Einfluss von fünf unterschiedlichen Nutzungstypen (Intensivgrünland, Feuchtgrünland, Sommermahd, Wintermahd, Brache) auf die Fauna der Niedermoore zu ermitteln. Die Effektivität von Renaturierungsmaßnahmen wurde anhand der Laufkäfer und Gefäßpflanzen untersucht, auf entwässerten (Intensivgrünland), wiedervernässten (einst stark entwässertes Intensivgrünland) und naturnahen (relativ naturbelassen) Niedermoorstandorten. Zusätzlich wurden bei allen Untersuchungen verschiedene Umweltparameter erfasst, wie z.B. Wasserstand, Vegetationsstruktur und Torfdegradation. Noch vor der eigentlichen Datenaufnahme, wurde ein naturschutzfachliches Bewertungssystem entwickelt, welches auf der Häufigkeit, der Gefährdung und der Verantwortlichkeit Deutschlands für den Schutz einer Art basiert. Durch dieses Bewertungssystem lassen sich jedem Standort, je nach Artengruppe, spezifische Naturschutzwerte zuweisen. Die untersuchten Nutzungstypen unterschieden sich signifikant in Wasserstand und Vegetationsstruktur, was entscheidenden Einfluss auf die Ausprägung der Artgemeinschaftsstrukturen hatte. Die untersuchten Taxa reagierten sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Nutzungstypen. Die Sommermahdflächen, welche durch relativ hohe Wasserstände gekennzeichnet waren, hatten einen besonders hohen naturschutzfachlichen Wert für die Vögel, während sich das Intensivgrünland aufgrund der Frühjahrsmahd und niedriger Wasserstände als ungeeignet für die niedermoortypische Avifauna erwies. Hingegen wurden für die Tagfalter und Heuschrecken die höchsten Artzahlen und Naturschutzwerte im Feuchtgrünland nachgewiesen, welches durch mittlere Mahdfrequenzen und Wasserstände charakterisiert war. Die Wintermahdflächen zeigten zum einen die niedrigsten Artzahlen und Naturschutzwerte für die Tagfalter und Heuschrecken, zum anderen aber auch den höchsten Naturschutzwert für die Laufkäfer. Auf den Brachflächen konnten besonders viele Individuen der vom Aussterben bedrohten Laufkäferarten Carabus menetriesi und Limodromus krynickii nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass nur ein Mosaik unterschiedlicher Nutzungstypen mit ausreichend hohen Wasserständen, die gesamte Niedermoorfauna erhalten kann. Auch entwässerte, wiedervernässte und naturnahe Niedermoore zeigten deutliche Unterschiede bezüglich der Umweltparameter. In der Folge waren diese drei Niedermoortypen auch durch eigenständige Gefäßpflanzen- und Laufkäfergemeinschaften gekennzeichnet. Besonders der Wasserstand und der Zustand des Torfkörpers hatten einen Einfluss auf die Formierung der niedermoortypspezifischen Artgemeinschaftsstrukturen. Artzahl und Naturschutzwert der Gefäßpflanzen waren auf naturnahen Niedermooren am höchsten, während auf entwässerten sowie wiedervernässten Niedermooren nur sehr geringe Artzahlen und Naturschutzwerte für die Gefäßpflanzen ermittelt werden konnten. Hingegen waren für die Laufkäfer, die Artzahl und die Anzahl stenotoper Niedermoorarten auf den wiedervernässten Flächen am höchsten. Auch der Naturschutzwert der Laufkäfer war auf den wiedervernässten Niedermooren deutlich höher als auf entwässerten Standorten, erreichte aber nicht den besonders hohen Naturschutzwert naturnaher Niedermoore. Folglich können Wiedervernässungen zwar zu einer deutlichen naturschutzfachlichen Aufwertung entwässerter Niedermoore führen. Jedoch sind Wiedervernässungsmaßnahmen alleine nicht geeignet, um Artgemeinschaften naturnaher Niedermoore zu reetablieren. Entsprechend hoch ist die Bedeutung des Schutzes noch bestehender naturnaher Niedermoore. Zudem zeigen die sehr unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Taxa auf die jeweiligen Management- und Renaturierungsmaßnahmen, wie wichtig die Berücksichtigung mehrerer Artengruppen bei naturschutzfachlichen Bewertungen von Management- und Renaturierungsmaßnahmen ist.
  • Fens comprise a unique biodiversity. But fens also had to face a long history of deterioration. As a result, in Germany only one percent of the former peatland is still existing. Hence, it is important to know how to manage these remaining fens most effectively to preserve their unique biodiversity. Nevertheless, these few remaining fens will most likely be insufficient to protect the highly endangered fen typical species in the long term. Restoration of degraded fens is therefore essential to reestablish an adequate amount of habitats for these species. Thus, in this thesis the impact of both management and restoration on fen biodiversity was studied. Studies were carried out between 2011 and 2012 in the lower valley of the river Peene in Western-Pomerania, Germany. Birds (Aves), butterflies (Lepidoptera), grasshoppers (Ensifera and Caelifera), and carabid beetles (Coleoptera: Carabidae) were used as indicator groups to measure the influence of five management regimes (intensive grassland, moist meadows, summer harvested sites, winter harvested sites, fallows) on fen biodiversity. To assess the efficiency of fen restoration, carabid beetles and vascular plants were studied on drained (silage grassland), rewetted (restored formerly drained silage grassland), and near-natural (rather pristine) stands. Additionally, habitat parameters like vegetation structure, water level, and peat degradation were measured. Before starting sampling, an evaluation method was developed, based on abundance, endangerment, and responsibility for the survival of a given species, to assess the conservation values of surveyed stands for specific taxa. The investigated management regimes differed significantly in water level and vegetation structure, and this in turn affecting their species assemblage structure. The observed taxa showed considerably diverging responses to the different management regimes. Summer harvested sites, characterized by comparatively high water levels, had conspicuously the highest conservation values for birds, while intensive grassland was inadequate for fen typical bird species due to early spring harvest and low water tables. In contrast, highest species numbers and conservation values of butterflies and grasshoppers were found in moist meadows, which are characterized by intermediate regimes of harvest frequency and water table. Winter harvested sites showed both lowest species numbers and conservation values for butterflies and grasshoppers, and highest conservation values for carabid beetles. Fallows inhabited particularly high individual numbers of critically endangered carabid beetle species. This results show clearly that only a mosaic of different management regimes, with appropriate water levels, can protect the entire fen biodiversity. Drained, rewetted, and near-natural fens also showed clear differences in habitat parameters. Hence, each fen type was characterized by both distinctive vascular plant and carabid beetle assemblages. Especially water level and peat condition were main drivers for the separation of fen type specific assemblages. Vascular plant species number and conservation value were highest on near natural fens, while on both drained and rewetted fens species number and conservation value were very low. In contrast, carabid beetle species number and the number of stenotopic species were highest on rewetted fens. Also the conservation value of rewetted fens was much higher compared to drained fens for carabid beetles, but did not reach the conservation value of near natural fens. Thus, rewetting may increase the conservation value of drained fens, but rewetting alone is not sufficient to reestablish species assemblages of intact fens, highlighting the importance of conserving pristine habitats. Overall, the distinctively diverging reactions of specific species groups to management and restoration show clearly the need to consider different taxa when assessing the efficiency of management and restoration measures.

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Metadaten
Author: Sebastian Görn
URN:urn:nbn:de:gbv:9-002659-9
Title Additional (English):The impact of land use and restoration on animal biodiversity in fens
Advisor:Prof. Dr. Thomas Fartmann, Prof. Dr. Klaus Fischer
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2016/11/14
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2016/10/20
Release Date:2016/11/14
GND Keyword:Flachmoor, Heuschrecken, Landnutzung, Laufkäfer, Naturschutz, Tagschmetterlinge, Vögel, Wiedervernässung
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Zoologisches Institut und Museum
DDC class:500 Naturwissenschaften und Mathematik / 570 Biowissenschaften; Biologie