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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-000682-3

Kältebedingte innere Kniegelenkbefunde beim Unterkühlungstod unter Berücksichtigung anderer kälteassoziierter pathomorphologischer Befunde

  • Zusammenfassung Im Institut für Rechtsmedizin der Universität Greifswald wurden in den Jahren 1993-1998 insgesamt 1800 Obduktionen durchgeführt. Unter diesen befanden sich 36 Fälle, bei denen ein Unterkühlungstod aufgrund relevanter Leichenbefunde, teilweise auch unter Berücksichtigung der besonderen äußeren Umstände, besonders in den Wintermonaten, diagnostiziert wurde. Die Untersuchung erfolgte nach Erhebung von Ein- und Ausschlusskriterien an 20 Fällen. Am häufigsten verstarben die Betroffenen (12 Personen) im Freien an der Unterkühlung (60 %) und (8 Personen) in zumeist unbeheizten Räumen. Davon war bei 13 Personen (etwa 65 %) offensichtlich deren Alkoholisierung (Blutalkoholkonzentrationen zwischen 0,89 0/00 und 3,47 0/00) und bei einer Person zusätzlich eine apoplektische Hirnblutung ursächlich für das Zustandekommen des Unterkühlungstodes. Bei den anderen 7 Todesfällen wurde für das Zustandekommen der Unterkühlung eine den Witterungsbedingungen unangepasste Bekleidung sowie auch eine Unterernährung bzw. geistige Hilflosigkeit der Bertoffenen in Betracht gezogen. Die systematische Auswertung der 20 Unterkühlungstodesfälle erfolgte hinsichtlich der aus der Literatur bekannten, kälteassoziierten morphologischen Befunde unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wertigkeit für die Diagnose des Unterkühlungstodes. Ziel der Arbeit war es das Kollektiv der Unterkühlungstodesfälle erstmals hinsichtlich eines empirisch erhobenen Befundes „den inneren Kniegelenksveränderungen“ und die Wertigkeit dieser Befunde für die Diagnose der „allgemeinen Unterkühlung“ zu untersuchen. Zu diesen Befunden gehören neben einer hauptsächlich im Recessus superior lokalisierten Hyperämie der Membrana synovialis noch synoviale Einblutungen sowie gelbrötlich bis blutige Verfärbungen der Synovialflüssigkeit (Synovia). In der Kontrollgruppe wurden 20 Obduktionsfälle mit anderen Todesursachen in die Untersuchung mit einbezogen. Die Untersuchung der Kniegelenke erfolgte wie in der Befundgruppe nach Erhebung von Ein- und Ausschlusskriterien. Von den in der rechtsmedizinischen Praxis seit langem bekannten, kälteassoziierten morphologischen Obduktionsbefunden wurden bei den in diese Untersuchung einbezogenen 20 Unterkühlungstodesfällen am häufigsten von den äußeren Leichenbefunden die rötlichen Kälteflecke über den Kniegelenken (17 Fälle, 85 %) sowie die hellroten Totenflecke (14 Fälle, 70 %) und von den inneren Befunden die als charakteristisch zu bezeichnenden Wischnewski-Flecke des Magens (17 Fälle, 85 %) neben der keineswegs als kältespezifisch anzusehenden Ischämie der Milz (18 Fälle, 90 %) sowie die Lungenveränderungen (13 Fälle, 65%) angetroffen. Auch die im Rahmen der Kältediurese auftretende Ausweitung und Prallfüllung der Harnblase war bei 11 Unterkühlungsfällen überhäufig und signifikant festzustellen. Die prädisponierenden Faktoren welche zum Unterkühlungstod führen können, einmal die Unterernährung bei 9 Personen sowie die unvollständige Bekleidung bei 10 Personen, waren in unserer Studie signifikant. Das „innere Kniezeichen“ wurde signifikant bei insgesamt 18 von 20 Unterkühlungstodesfällen (90 %), angetroffen. Am häufigsten ließ sich dabei eine synoviale Hyperämie (18 Fälle, 90 %), überwiegend auch beiderseits, feststellen, während sowohl die synovialen Einblutungen (9 Fälle, 45 %) als auch die damit im Zusammenhang stehenden Verfärbungen der Synoviaflüssigkeit (12 Fälle, 60%) deutlich geringer ausgeprägt waren. Auffällig und auch signifikant ist das hämolytisch aussehende Subcutangewebe der Kniegelenke bei 10 Unterkühlungstodesfällen (50 %). An den 20 Unterkühlungstodesfällen sowie an den 20 Fällen der Kontrollgruppe wurden jeweils histologische Untersuchungen der Membrana synovialis (40 Präparate) durchgeführt und dabei in allen Unterkühlungstodesfällen eine mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Hyperämie festgestellt. Es zeigte sich, dass dieser Befund als signifikant einzuschätzen ist und somit den makroskopischen Befund bestätigen konnte. Demgegenüber stellten auch die histologisch nachweisbaren synovialen subintimalen Einblutungen, die ebenfalls bei allen Unterkühlungstodesfällen, zumeist als petechiale (17) aber auch als konfluierende (11) und diffuse (12) Einblutungen, überwiegend beidseitig zu registrieren waren, einen signifikanten Befund dar. Im Ergebnis dieser Arbeit konnte nachgewiesen werden, dass sich allein anhand der Befunddokumentation „äußerer Kniebefund“, „inneres Kniezeichen“ und „Wischnewski-Flecke“ der Unterkühlungstod zuverlässig und – nach der Diskriminanzanalyse - mit einer Sicherheit von 90 % diagnostizieren lässt.
  • Abstract From 1993 to 1999, 1800 autopsies were carried out at the Institute of Legal Medicine of Greifswald University. Death by hypothermia, due to relevant corpse findings, partly even in view of special outer circumstances, especially in winter months, was diagnosed in 36 of those cases. The examination was carried out after the collection of exclusion and inclusion criteria in 20 cases. Most frequently, people affected (12 people) died by hypothermia outside (60 %) and (8 people) in mostly unheated rooms. For 13 of those people (approx. 65 %) inebriation (blood alcohol level between 0.09 ‰ and 3.47 ‰) and for one person additionally an apoplectic cerebral haemorrhage were the causes of death by hypothermia. In those other 7 cases inappropriate clothes, malnutrition or mental helplessness were taken into consideration. The 20 deaths by hypothermia were systematically evaluated considering the cold-associated morphological results known from literature in view of their value for the diagnosis of death by hypothermia. Aim of the work was the first examination of the collective of deaths by hypothermia with regard to empirically inquired results “inner knee joint changes” and the value of those findings for the diagnosis of “a general hypothermia”. Apart from hyperemia of the membrana synovialis in the recessus superior, synovial haemorrhage belong to theses findings as well as yellow-reddish to bleeding colourings of the synovial fluid (synovia). 20 autopsy cases with different causes of death were included in the examination of the group. The examination of the knee joints was carried out after the collection of inclusion and exclusion criteria such as in the result group. Most frequently, reddish cold marks above the knee joints (17 cases, 85 %), light-red post-mortem lividities (14 cases, 70 %) and Wischnewski-marks in the stomach (17 cases, 85%) as typical inner findings and the untypical ischemia of the spleen (18 cases, 90 %) and changes in the lungs were found in those 20 deaths. The extension and fullness of the bladder in the cold was significantly found in 11 cases. Predisposing criteria leading to death by hypothermia (malnutrition in 9 cases and incomplete clothing in 10 cases) were significant in our study. The “inner knee mark” was significant in 18 of 20 cases of death by hypothermia (90 %). Most frequently, synovial hyperemia (18 cases, 90 %), predominantly on both sides, was found, whereas both the synovial haemorrhage (9 cases, 45 %) and the connected colouring of the synovial fluid (12 cases, 60 %) were much less distinct. Noticable and significant is the haemolytic-looking hypodermic tissue of the knee joints in 10 cases of death by hypothermia (50 %). Histologic examinations of the membrana synovialis (40 preparations) were carried out in those 20 cases of death by hypothermia as well as in 20 cases of the control group. A more or less distinct hyperemia was found in all cases of death by hypothermia. This result is to evaluate as significant and therefore confirms the macroscopic findings. On the other hand, the histologically traceable synovial subintimal haemorrhages also represent a significant result. They were found in all cases of death by hypothermia, mostly as petechial (17) but also as confluent (11) and diffuse (12) haemorrhages, predominantly on both sides. The result of this paper shows that the death by hypothermia can be diagnosed reliably and -after discriminant analysis - with 90 % certainty only with the documentation of the findings “outer knee findings”, “inner knee marks” and “Wischnewski-marks”.

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Metadaten
Author: Andreas Mengel
URN:urn:nbn:de:gbv:9-000682-3
Title Additional (German):Kältebedingte innere Kniegelenkbefunde beim Unterkühlungstod unter Berücksichtigung anderer kälteassoziierter pathomorphologischer Befunde
Title Additional (English):Cold-dependent inner knee joint findings in deaths of hypothermia under consideration of other cold-associated patho-morphological findings
Advisor:Dr. Britta Bockholdt, Prof. Dr. B. Madea, Prof. E. Lignitz
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2009/09/25
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Medizinische Fakultät (bis 2010)
Date of final exam:2009/06/09
Release Date:2009/09/25
Tag:hypothermia, knee joint, membrana synovialis, synovial haemorrhage, synovial hyperemia
GND Keyword:Blutung, Hyperämie, Hypothermie, Kniegelenk, Kniegelenkverletzung, Synovialmembran
Faculties:Universitätsmedizin / Institut für Rechtsmedizin
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit