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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-000488-1

Epidemiologische Diskussion der Tumorerkrankungen bei Beschäftigten der Deponie Ihlenberg (Gemeinde Selmsdorf)

  • Die Deponie Ihlenberg zählt zu den größten Anlagen ihrer Art in Europa. 1977 erschlossen und für den Deponiebetrieb als geeignet befunden, wurde das Gelände zunächst für die Verbringung von Bauschutt, in den Folgejahren jedoch ebenfalls zunehmend für die Verbringung von besonders überwachungsbedürftigen Abfällen genutzt. Im März 2002 wurde durch Vertreter der Bürgerinitiative dem Deponiebeirat und dem Umweltministerium eine Liste mit 13 Namen an Krebs erkrankter Deponiebeschäftigter übergeben. Durch die Deponieleitung wurden 16 an Krebs erkrankte Beschäftigte bei der Berufgenossenschaft Tiefbau angezeigt. Bis Juni 2003 wurde diese Liste auf insgesamt 18 Namen erweitert. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Diskussion der unter den Deponiebeschäftigten aufgetretenen Krebserkrankungen aus epidemiologischer Sicht. Vordringlich ist zu klären, ob die Anzahl der berichteten Erkrankungen der statistischen Erwartung entspricht. Die zur Beant¬wortung der Frage erforderlichen detaillierten Angaben über die Anzahl der Beschäftigten eines jeden Betriebsjahres, die Alters- und Geschlechtsverteilung im Beschäftigungs¬zeitraum und den aktueller Vitalstatus eines jeden Mitarbeiters sind jedoch gegenwärtig nicht in der benötigten Vollständigkeit und Präzision verfügbar. Kernaufgabe dieser Arbeit ist daher eine quantitative Diskussion der Wahrscheinlichkeit für eine statistisch signifikante Erhöhung der Fallzahlen im Rahmen der vorhandenen Unsicher¬heiten in den Eingangsdaten. Hiermit soll insbesondere die Frage beantwortet werden, ob ein weiterer Forschungsbedarf hinsichtlich einer analytischen Untersuchung der möglichen Ursachen der Erkrankungsfälle besteht. Die bekannten Krebserkrankungen wurden in die zu untersuchende Kategorien „Alle“ malignen Erkrankungen und maligne „Lymphome“ klassifiziert. Da für die Arbeit viele essentielle Daten nicht zur Verfügung standen, wurden diese durch geeignete Abschätzungen möglichst sinnvoll ergänzt. Für die zunächst durchgeführte orientierende Probabilitäts¬betrachtung wurde die Beschäftigtenkohorte (120 Beschäftigte pro Jahr) als konstant angenommen, ebenso der Anteil der männlichen (90%) und weiblichen (10%) Beschäftigten. Die Altersverteilung der Beschäftigten wurde in Anlehnung an die Alters¬verteilung der Bevölkerung von Nordwestmecklenburg, sowie alternativ in Anlehnung an die Altersverteilung der „sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten am Arbeitsort in Deutschland“ betrachtet. Beide orientierenden Abschätzungen gingen von einer konstanten Altersverteilung innerhalb der Beschäftigten¬kohorte innerhalb des Untersuchungszeitraums aus. In der vorliegenden Arbeit wurden angesichts der unvollständigen Datenlage alle für die Berechnung der SIR erforderlichen Eingangsparameter über jeweils breite Wertebereiche hinweg variiert. Hierbei wurden bewusst auch extreme Szenarien betrachtet. Die Auswirkungen der angenommenen Wertebereiche allein und in Kombination auf die Berechnung der SIR wurden quantitativ untersucht. Die resultierenden Ergebnisräume erlauben eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit von Parameterkombinationen, in deren Folge statistisch signifikant erhöhte SIR resultieren würden. Die Sensitivitätsanalyse zeigt, dass die SIR-Werte unter verschiedenen Randbedingungen über einen weiten Bereich schwanken. Die Abschätzung zeigt jedoch für einen erheblichen Teil der angenommenen Parameterkombinationen statistisch signifikant erhöhte SIR-Werte. Dieses Ergebnis spricht dafür, dass im Rahmen der diskutierten Unsicherheitsbereiche eine Erhöhung der Häufigkeit von Krebserkrankungen unter den Beschäftigten der Deponie Ihlenberg zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann. Gleichzeitig muss jedoch betont werden, dass der gewählte deskriptive Studienansatz keinesfalls im Sinne eines kausalen Zusammenhangs interpretiert werden darf. Die vorliegende Arbeit zeigt, dass ein Forschungsbedarf zur Klärung einer möglichen Erhöhung von Krebserkrankungen bei den Beschäftigten der Deponie besteht. Weiterführende epidemiologische Untersuchungen müssen neben der systematischen Erfassung und Quantifizierung deponiebedingter Expositionen relevante individuelle Risikofaktoren in Betracht ziehen.
  • The Ihlenberg landfill site is one of the largest landfill sites of its kind in Europe. The area was developed and found to be appropriate for waste disposal in 1977. The site was initially used for the disposal of construction waste, but later on it was also used for hazardous waste. In March 2002, representatives of a citizens' group turned in a list with the names of 13 employees diagnosed with cancer to the landfill advisory board and the ministry of the environment. The landfill site administration reported 16 employees diagnosed with cancer to the employers’ liability insurance association. This list was extended to a total of 18 names by June 2003. The objective of this study is the epidemiologic discussion of cancer cases observed among the employees of the landfill site and to clarify whether the observed cancer cases are consistent with the statistically expected cases. Therefore, detailed information about the annual numbers of the employees, the distribution of age and gender, and each employee’s vital statuses are needed. However, these data were not available in the required completeness and accuracy. The main task of this work, therefore, is a quantitative discussion of the probability for a statistically significant increase of cancer cases taking into account the existing uncertainties of the input data. It should be clarified whether there is a need for further research including an analytical study of possible causes for cancer cases. The known cancer cases were classified into two categories: all malign diseases and malign lymphoma. Due to the lack of essential input data these parameters were supplemented by reasonable estimates. An exploratory consideration was performed based on constant values for the employee cohort (120 per year) as well as the proportion of male (90%) and female (10%) employees. Employee age distribution was based on the age distribution of the population of the rural district Nordwestmecklenburg as well as the age distribution of employees liable for social insurance in Germany. Both exploratory assessments imply a constant age distribution within the employee cohort during the period of investigation. Due to the lack of essential data, all input data necessary for the calculations of the standardised incidence ratios (SIRs) were varied over a broad range and even extreme values were purposely considered. The impacts of single varied input data as well as their combinations with the range of values of the SIR were quantitatively examined. Based on this analysis, it is possible to estimate the probability of parameter combinations, which result in a significant increment of the SIR. The sensitivity analysis shows that under different boundary conditions the SIR values vary within a broad range. The assessment shows that for a considerable proportion of parameter combinations, the SIR values are statistically significantly increased. Therefore, considering the discussed domain of uncertainty, an increase in the frequency of the cancer cases among landfill site employees can not be excluded at this point in time. Simultaneously it must be pointed out that the descriptive character of the study must not be interpreted in the sense of a causal connection. The present study reveals the need for further research to clarify a possible increment of cancer cases of landfill site employees. Along with the systematic ascertainment and quantification of landfill site exposures, relevant risk factors must be taken into account in further epidemiological studies.

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Metadaten
Author: Stefan Weiß
URN:urn:nbn:de:gbv:9-000488-1
Title Additional (English):Epidemiological discussion of cancer cases among employees of the Ihlenberg landfill site
Advisor:Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2008/05/20
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Medizinische Fakultät (bis 2010)
Date of final exam:2008/01/30
Release Date:2008/05/20
Tag:Beschäftigte, Ihlenberg, Krebs
GND Keyword:Deponie
Faculties:Universitätsmedizin / Institut für Community Medicine
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit