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Passion und Mission des Stralsunder Stadtbaumeisters Ernst von Haselberg (1827–1905): Universalität als Ideal des Königlich Preußischen Baumeisters im Kontext kontemporärer Architektur- und Stadtentwicklung

  • Als Stadtbaumeister Stralsunds war Ernst v. Haselberg sowohl praktisch als auch theoretisch noch universell mit der architektonischen und städtebaulichen Entwicklung des Historismus und der Konstituierung der Denkmalpflege in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf deutschem Territorium, insbesondere in der Provinz Pommern, verbunden. Das große architektonische und städtebauliche Œuvre mit seinen Konsequenzen für die Stadt Stralsund und ihre Bürger rief relativ bescheidene Resonanz hervor. Als Denkmalpfleger hat er den Paradigmenwechsel des 19. Jahrhunderts von der ästhetisch-orientierten Denkmalpflege zur historisch-wissenschaftlichen Denkmalpflege mitgestaltet. Die »Mathematische Aufgabe«, das magische Hexagon, verschaffte E. v. Haselberg die Aufnahme in die ewigen Annalen der Mathematik und eine bleibende, weltweite Reputation. Die monographische Studie über E. v. Haselberg will als Synchronopse seines Lebens aus neuerer Sicht Impulse geben. Die Genesis derer von Haselberg, unter ihnen renommierte Theologen, Juristen, Mediziner, koinzidieren seit der Frühen Neuzeit mit der Entwicklung der geistig-kulturellen Eliten in (Mecklenburg-) Vorpommern. Auf dem Fundament einer über Generationen hinweg sich als ethische Maxime etablierenden Universalität entstand auch die architektonische Ästhetik E. v. Haselbergs. Sein universelles Wirken bietet die Forschungsperspektive, Interdependenzen von Städtebau, Architektur und Denkmalpflege im Kontext der Urbanisierung des 19. Jahrhunderts zu analysieren. Die durch ihre meist mittelalterliche Historie geprägten Städte wurden, wie auch Stralsund, in verschiedenen Wellen durch die damalige konventionelle Stadtentwicklung mitgerissen. In dieser Urbanisierungsphase zeigten sich für die Städte Konsequenzen im Städtebau mit eklatanten Defiziten in der Hygiene und in der sozialen Funktionalität. Die Dissertation stützt sich zum einen auf die Aussagekraft der gebauten Architektur und zum anderen auf schriftliches und bildkünstlerisches Quellenmaterial, die partiell unbearbeiteten und unveröffentlichten Konvolute aus dem im Stadtarchiv der Hansestadt Stralsund befindlichen Nachlass derer v. Haselberg. Erweitert wurde dieses Quellenmaterial durch Recherchen in den relevanten Staats-, Landes- und Stadt- und Kirchenarchiven. Die Recherchen in den Kirchenarchiven konzentrierten sich auf Barth, Bergen, Damgarten und Pantlitz. Als methodologische Prämisse dient das Konstrukt, dass die architektonische Ästhetik einer Kulturlandschaft sich aus dem aktuell existierenden Architekturrepertoire und der ideellen Reflexion in ihrer Totalität immer wieder neu bildet. Diese Totalität, die Gesamtheit aller sakralen und profanen Architektur, schließt die ruinöse, in die Vergangenheit weisende Architektur genauso wie die sich eben erst etablierende, in die Zukunft weisende ein. Als Vermittlung ist die ideelle Reflexion unerlässlich und erhält in dem Verhältnis zwischen theoretischer Denkmalpflege resp. Kunsthistorie und kontemporärer Architektur resp. Städtebau ihre Wirkmächtigkeit. Es wurde von der Hypothese ausgegangen, dass die theoretische und praktische Entwicklung sowohl der Denkmalpflege als auch der Architektur und des Städtebaus im 19. Jahrhundert ein fortgesetzter räumlicher und zeitlicher Differenzierungsprozess war, wobei sich traditionelle und innovative hierarchische Strukturen überlagern können. Um die Interdependenzen von Städtebau, Architektur und Denkmalpflege im Kontext der Urbanisierung des 19. Jahrhunderts zu analysieren, mussten die Methoden der Kunstgeschichte innerhalb der Dissertation differenziert angewendet und soziologische Aspekte für die wechselseitige Beeinflussung von individueller und gesellschaftlicher Entwicklung in revolutionären Zeiten einbezogen werden. Die hier verwendete soziologische Terminologie stützt sich auf Alfred Webers theoretische Basis, insbesondere auch auf die Begriffe ›Masse‹ und ›Elite‹. Dazu ist aus (kunst-) historischer Perspektive die kontemporäre Terminologie Jacob Burckhardts zugeordnet. Der Rückgriff auf die Philosophie Bertrand Russels hat seine Relevanz wegen der in jeder Hinsicht starken angelsächsischen Orientierung derer v. Haselberg und einer historischen Verortung der Ideen. Für die Analyse wurden die wissenschaftstheoretischen Termini technici – einschließlich des im Dissertationsthema gewählten Begriffs der ›Universalität‹ – der von Jürgen Mittelstraß herausgegebenen ›Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie‹genutzt. Die Universalität als Ideal des Königlich Preußischen Baumeisters im Selbstverständnis einer dienenden Elite teilte sich für E. v. Haselberg in eine Mission und eine Passion. Damit vollzog E. v. Haselberg einen seit den 1830er Jahren begonnenen Prozess nach, der aus Absolventen von Schinkels Bauakademie nicht nur Königlich Preußische Baumeister, sondern auch Kunsthistoriker/ Denkmalpfleger werden ließ.
  • The municipal architect (Stadtbaumeister) of the Hanseatic town Stralsund Ernst v. Haselberg was in an broad sense of “universality” not only practical, but also theoretical linked to the development of architectural and town planning in the new growth of historism and to the constitution of the preservation of the national heritage in the second half of the 19th century on German territory – especially to the building restoration and preservation in the former Prussian province Pommerania. E. v. Haselberg’s extended oeuvre of architecture and town planning evoked with its consequence for Stralsund and its citizens had relative unpretentious resonance. But he influenced as curator of monuments the change in the paradigms of the 19th century – from the aesthetical-orientated preservation of monuments to a historic-academically preservation of monuments. E. v. Haselberg’s geometric pattern “Magic Hexagon” went down in the annals of mathematics and gave him a lasting, world-wide reputation. The monograph on E. v. Haselberg is a synchronopsis and traces back the v. Haselberg’s lineage at least 500 years. Renowned doctors and professors of theology, jurisprudence and medicine were involved in the development of the intellectual and cultural elite of (Mecklenburg-) Vorpommern – and this continuity reaches for E. v. Haselberg. The architectural aesthetics of the Royal Prussian Masterbuilder E. v. Haselberg was caused by the ethical maxims of an established universality transmitted up from one generation to the next. On the one hand the thesis founds on documentary evidence of the historic buildings and monuments, on the other hand on sources material from the local archive of the hanseatic town Stralsund, especially the extensive collection of E- v. Haselberg’s family. The extensive research concentrates on the church archives of several Pommeranian towns. The thesis‘ methodological premise is based on the concept, that the existing architectural repertoire and the intellectual reflection in their totality constitute a new architectural aesthetics in an cultural region again and again. Different methods of art history were used to analyse the interdependence of town planning, architecture and preservation of monuments in the context of the urbanisation of the 19th century. Umberto Eco’s semiotics was helpful as meta-layer in the analysis. Significant aspects concerning the interdependences of individual and social development rest on Alfred Weber’s sociology. The recourse to Bertrand Russell’s Philosophy has its relevance regarding the Anglo-Saxon orientation of E. v. Haselberg’s family and because of an allocation of ideas in a define place inside the appointed reference system of history. The dissertation used for the analysis the academic theoretical termini technici – including the term “universality” choice as dissertation topic – like used in Jürgen Mittelstraß’ encyclopedia (E.Ph.W. 2004). E. v. Haselberg divided the doomed universality as an ideal of the Royal Prussian Masterbuilder (in the way a serving elite sees itself) in a mission and passion. With that E. v. Haselberg followed a process in its totality that began in the 1830s: the graduates of Schinkel’s “Bauakademie” in Berlin (school of architecture) were not only Royal Prussian Masterbuilders, but also art historians/ curators of monuments.

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Metadaten
Author: Torsten Knuth
URN:urn:nbn:de:gbv:9-001192-1
Title Additional (English):Passion and Mission of Stralsund‘s Municipal Architect Ernst von Haselberg (1827–1905): Universality as Ideal of the Royal Prussian Masterbuilder in the Context of Contemporary Development in the Fields of Architecture and Town Planning
Advisor:Univ.-Prof. Dr. Bernfried Lichtnau
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2012/03/16
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Philosophische Fakultät (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2011/08/04
Release Date:2012/03/16
Tag:19. Jh., Architekturästhetik, Inventarisierung, Königlich Preußischer Baumeister, Stadtbaumeister
19th century, Royal Prussian Masterbuilder, architectural aesthetics, municipal architect, preservation of the national heritage
GND Keyword:Architektur, Denkmalpflege, Stralsund, Städtebau, Universalität
Faculties:Philosophische Fakultät / Caspar-David-Friedrich-Institut
DDC class:700 Künste und Unterhaltung / 720 Architektur