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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-001756-6

Emotion und Zielverfolgung: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Selbstregulationsmodell von Charles S. Carver und Michael F. Scheier

  • Thema dieser Dissertation ist die Emotionsgenese im Kontext der Verfolgung von Zielen. Den Ausgangspunkt bildete dabei das Selbstregulationsmodell von Carver und Scheier (1998), welches die Geschwindigkeit der Zielverfolgung als Ursache für handlungsbegleitende Emotionen betrachtet – die Distanz zum Ziel sowie die Erwartung der Zielerreichung sollen hingegen keinen Einfluss auf Emotionen haben. Mit diesen Annahmen steht das Selbstregulationsmodell im Wider¬spruch zu anderen Emotionstheorien, wie beispielsweise der Self-Discrepancy Theory (Higgins, 1987) oder kognitiven Emotionstheorien (Arnold, 1960; Lazarus, 1966; Ortony et al., 1988; Reisenzein 2009). In der Arbeit wird versucht diese Theorien zusammenzuführen, und untersucht, ob sich die Konzepte der Zieldistanz und der Erwartung in das Modell von Carver und Scheier zur Vorhersage handlungsbegleitender Emotionen integrieren lassen. Zieldistanz und Emotion Es wurde angenommen, dass die Zieldistanz sowohl direkt als auch indirekt (über die Erwartung der Zielerreichung) zur Emotionsentstehung beiträgt. Darüber hinaus wurde eine moderierende Wirkung der Zieldistanz auf den Einfluss der Geschwindigkeit angenommen. Zur Überprüfung dieser Annahmen wurden drei Studien durchgeführt. In Studie 1 wurde eine Methode zur Manipulation der Zieldistanz entwickelt, in Studie 2 die Zieldistanz manipuliert und in Studie 3 die Manipulation der Zieldistanz um die Manipulation der Geschwindigkeit erweitert. In Studie 2 konnte gezeigt werden, dass die Zieldistanz, über die Geschwindigkeit hinaus, einen signifikanten Einfluss auf negative (nicht aber positive) Emotionen hat. Ein Teil des Einflusses scheint darüber hinaus über die Erwartung vermittelt zu werden. Eine moderierende Wirkung der Zieldistanz auf den Einfluss der Geschwindigkeitsdiskrepanz auf Emotionen konnte dagegen nicht nachgewiesen werden. Da die Manipulation der Zieldistanz in Studie 3 ohne Wirkung blieb, konnten keine kausalen Schlüsse über die Bedeutung der Zieldistanz bei gleichzeitigem Vorliegen von Geschwindigkeitsinformationen gezogen werden. Regressionsanalysen bestätigten aber auch in Studie 3 den Einfluss der Zieldistanz auf negative Emotionen, während die Moderationshypothese abermals nicht bestätigt werden konnte. Erwartung und Emotion Legt man die kognitive Emotionsstruktur nach Ortony et. al. (1988) zugrunde, so wird deutlich, dass mit dem Selbstregulationsmodell keine zielbezogenen Emotionen vorhergesagt werden können: Hierzu ist der Einbezug der Erwartung notwendig. Um das Spektrum vorhersagbarer Emotionen zu erweitern, wurde das Modell von Carver und Scheier um einen weiteren Wirkpfad ergänzt und die Emotionsgenese im Rahmen eines Zwei-Pfade-Modells beschrieben: (1) dem vergangenheitsgerichteten Wirkpfad, der über die Geschwindigkeit mit dem Erleben handlungsbezogener Emotionen (z.B. Zufriedenheit, Enttäuschung) verbunden ist, sowie (2) dem zukunftsgerichteten Wirkpfad, der über die Erwartung der Zielerreichung mit dem Erleben zielbezogener Emotionen (z.B. Hoffnung, Furcht) verbunden ist. Darüber hinaus wurde angenommen, dass die Geschwindigkeit indirekt – über die Beeinflussung der Erwartung – zielbezogene Emotionen beeinflusst. Als potentieller Moderator der Erwartungs- und Emotionsgenese wurde der Zeitdruck diskutiert. Es wurde eine Studie (Studie 4) durchgeführt, in der der Zeitdruck manipuliert und das Zwei-Pfade-Modell unter der Bedingung schlechten Vorankommens geprüft wurde. Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass die Erwartung Emotionen beeinflusst: So wurden der Annahme entsprechend Hoffnung und Furcht direkt durch die Erwartung (zukunftsgerichteter Wirkpfad), aber nur indirekt durch die Geschwindigkeit beeinflusst. Zudem erwies sich Zeitdruck als signifikanter Moderator der Erwartungs- sowie Emotionsgenese (für Hoffnung, nicht aber für Furcht). Die Ergebnisse bestätigten, dass ein einfaches Modell zur Vorhersage von handlungs-begleitenden Emotionen, wie von Carver und Scheier beschrieben, nicht ausreicht, um das gesamte Spektrum handlungsbegleitender Emotionen vorherzusagen. Neben der Geschwindigkeit der Zielverfolgung sollten auch die Zieldistanz sowie die Erwartung der Zielerreichung einbezogen werden. In zukünftigen Untersuchungen sollte geklärt werden, welche Zielverfolgungsbedingungen die Emotionsgenese moderieren bzw. einen Einfluss auf die relative Bedeutung der Geschwindigkeit, Zieldistanz und Erwartung für das Erleben handlungsbegleitender Emotionen haben.
  • This thesis investigates how emotions arise in the process of goal pursuit. The self-regulation model (Carver & Scheier, 1998) posits that goal progress (velocity) but not goal distance or expectancy impacts affect. These assumptions are in conflict with other theories, such as the self-discrepancy theory (Higgins, 1987) or cognitive appraisal theories of emotion (Arnold, 1960; Lazarus, 1966; Ortony et al., 1988; Reisenzein, 2009). To address these theoretical conflicts a re-formulated self-regulation model was developed integrating goal distance and expectancy predict intensity of emotional reactions. Goal distance and emotion: It was hypothesized that goal distance exerts a direct impact on emotional reactions as well as an indirect impact mediated by expectancy. In addition, goal distance should moderate the impact of goal progress on emotional reactions. Three studies addressed these questions. Study 1 was conducted to develop a novel experimental manipulation of goal distance. Study 2, then, experimentally examined the effect of goal distance. Goal distance affects negative, but not positive emotions, with the effect partially being mediated by expectancy. Unexpectedly, goal distance did not moderate the impact of goal progress on emotions. Study 3 experimentally examined the effects of goal distance as well as goal progress. In this case, the goal distance did not yield any significant effects on emotion. For this reason, a regression analysis was conducted. Goal distance significantly affected negative emotions, whereas goal progress significantly affected positive and negative emotions. Again, goal distance did not affect the impact of goal progress on emotional reactions. Expectancy and emotion According to the cognitive appraisal theory of Ortony, Clore and Collins (1988), the self-regulation model (Carver & Scheier, 1998) should not be able to predict goal directed emotions (hope, fear), as expectancy is not included in the model. To overcome this shortcoming expectancy has to be integrated. Thus, the Carver and Scheier model was extended by adding a second pathway for predicting emotions via expectancy. The first pathway concerns the direct effect of goal progress on emotions which impacts satisfaction and disappointment. The second pathway concerns the direct effect of expectancy on emotions which impacts hope and fear. In addition, it was assumed that goal progress has an effect on expectancy and, hence, exerts an indirect effect on hope and fear. Moreover, time pressure should moderate effects on expectancy emotion. Study 4 addressed the questions by manipulating time pressure under poor goal progress. The results support the distinction of two pathways. As predicted, hope and fear were directly affected by expectancy, whereas goal progress only had an indirect effect on hope and fear. Time pressure significantly moderated effects of expectancy and emotions (hope ,but not fear). Taken together, the results confirm the notion that the self-regulation model (Carver & Scheier, 1998) is too narrow and not sufficient to model the complete range of emotions during goal pursuit. The findings implicate that emotions can be linked to different facets of goal pursuit (action, goal distance, goal). Future studies should investigate which variables moderats the impact of goal progress, goal distance and expectancy on emotions.

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Metadaten
Author: Jeanette Krohn
URN:urn:nbn:de:gbv:9-001756-6
Title Additional (English):Emotion and goal pursuit: The self-regulation model by Charles S. Carver and Michael F. Scheier - A critical analysis
Advisor:Dr. Anette Hiemisch
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2014/03/21
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2014/03/19
Release Date:2014/03/21
Tag:Distanz, Emotion, Erwartung, Geschwindigkeit, Ziel
distance, emotion, expectancy, goal, velocity
GND Keyword:Distanz, Emotion, Erwartung, Geschwindigkeit, Handlungstheorie, Ziel
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Psychologie
DDC class:100 Philosophie und Psychologie / 150 Psychologie