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Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-001775-1

Glücksspielverhalten bei Jugendlichen: Risikofaktoren und ein Präventionsansatz für das schulische Setting

  • Fragestellung: Studien zum Glücksspiel unter Jugendlichen berichten eine Komorbidität des problematischen Glücksspiels mit dem Substanzkonsum. Zu­dem gibt es Hinweise auf eine Assoziation zwischen problematischem Glücksspiel und problematischem Computerspiel. Angesichts dieser Tatsache stellt sich die Frage, ob jugendliche Konsumenten substanzgebundener bzw. substanzungebundener Suchtmittel gemeinsame personale Risikofaktoren aufweisen. In einer ersten Fragestellung dieser Arbeit werden Komorbidität und personale Risiko­faktoren des problematischen Glücks- und Computerspiels sowie des Substanzkonsums unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersucht. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche im Ver­gleich zu Erwachsenen deutlich häufiger von problematischem Glücksspiel be­troffen sind. Dabei ist ein früher Einstieg in das Glücksspiel mit der Entwicklung späteren problematischen Spielverhaltens assoziiert. Dies verdeutlicht die Not­wendigkeit primärpräventiver Maßnahmen, die vor dem Erstkonsum ansetzen, mit dem Ziel, den Einstieg in das Glücksspiel zu verhindern bzw. zu verzögern, um der Entwicklung problematischen Spielverhaltens wirksam vorzubeugen. Die zweite Fragestellung dieser Arbeit befasst sich mit der Prozess- und Ergebnis­evaluation eines Programms zur Primärprävention jugendlichen Glücksspiels für das schulische Setting. Methode: Zur Untersuchung der Komorbidität und personaler Risikofaktoren des problematischen Glücks- und Computerspiels sowie des Substanzkonsums wurden in einer Querschnittstudie 2.553 Schüler und Berufsschüler im Alter von 12 bis 25 Jahren mittels eines Fragebogens befragt. Es wurden problematisches Glücks- und Computerspiel, Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum sowie 12 personale Risikofaktoren erfasst. „Vernetzte www.Welten“ ist ein Programm zur Primärprävention jugendli­chen Glücksspiels für den Einsatz in den Klassenstufen 6 und 7. Die Evaluation des Programms erfolgte im Rahmen einer cluster-randomisierten Kontroll­gruppenstudie, an der 27 Schulen mit insgesamt 102 Klassen und 2.109 Schülern im Alter von 10 bis 15 Jahren teilnahmen. Die Schulen wurden per Zufall der Kontroll- bzw. Interventionsbedingung zugewiesen. In der Inter­ventionsgruppe wurde „Vernetzte www.Welten“ durch geschulte Lehrkräfte um­gesetzt, in der Kontrollgruppe erfolgte keine spezifische Intervention. Für die Prozessevaluation bewerteten Lehrkräfte und Schüler der Interventionsgruppe die Unterrichtseinheiten auf einem anonymen Rückmeldebogen. Zur Überprü­fung der Programmeffekte (Ergebnisevaluation) wurden die Schüler der Inter­ventions- und Kontrollgruppe zweimalig mit einem Fragebogen zu ihrem Glücks­spielverhalten, ihrem Wissen und ihren Einstellungen zum Glücksspiel befragt. Ergebnisse: Es zeigte sich eine signifikante Komorbidität zwischen dem Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum, zwischen problematischem Glücksspiel und allen drei Formen des Substanzkonsums sowie zwischen problematischem Glücksspiel und problematischem Computerspiel. Hinsichtlich gemeinsamer personaler Risikofaktoren waren problematische Glücksspieler eher mit Substanz­konsumenten als mit problematischen Computerspielern vergleichbar. Das Programm „Vernetzte www.Welten“ wurde durch die Schüler und Lehrkräfte durchgängig gut bewertet. Es ergaben sich signifikante Programm­effekte hinsichtlich eines Zuwachses an Wissen zum Glücksspiel (β = 0,08; 95% KI: 0,05-0,11; d = 0,18), einer Verringerung problematischer Einstellungen zum Glücksspiel (β = -0,13; 95% KI: -0,18-(-0,08); d = 0,15) sowie einer verrin­gerten Glücksspielteilnahme (OR = 0,58; 95% KI: 0,36-0,95; d = 0,02). Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen die Komorbidität des problematischen Glücksspiels mit dem Substanzkonsum im Jugendalter. Zusätzlich wurde eine vergleichbar hohe Komorbidität des problematischen Glücksspiels mit dem problematischen Computerspiel festgestellt. Die Befunde hinsichtlich personaler Risikofaktoren sprechen jedoch nicht dafür, dass Jugendliche, die durch Substanz­konsum sowie durch problematisches Glücks- und Computerspiel betroffen sind, ein gemeinsames Muster personaler Risikofaktoren aufweisen. In künftigen Studien sollte ein breiteres Spektrum an potentiellen Risikofaktoren betrachtet werden. Um Kausalaussagen treffen zu können, sind prospektive Längsschnittstudien notwendig. Die Ergebnisse der Evaluation des Präventionsprogramms „Vernetzte www.Welten“ sprechen für die Umsetzbarkeit sowie für eine gute Akzeptanz bei den Adressaten. Das Programm ist geeignet, das Wissen zum Glücksspiel zu vertiefen, problematische Einstellungen zum Glücksspiel zu verringern sowie die aktuelle Spielteilnahme zu reduzieren. Allerdings handelt es sich lediglich um kurzzeitige Programmeffekte. Um zu prüfen, ob eine Teilnahme an „Vernetzte www.Welten“ tatsächlich langfristig Einfluss auf das Glücksspielverhalten Jugendlicher nimmt, sind Langzeit-Katamnesen unerlässlich
  • Aims: Studies on gambling in adolescence often show a co-occurrence of problematic gambling and substance use. Additionally, there is some evidence of an association between problematic gambling and problematic computer gaming in adolescence. Given these findings, the question arises if adolescents who are vulnerable to substance addictions and adolescents who are vulnerable to non-substance related forms of addiction may share common personal characteristics. The first part of this work examines the co-occurrence and personal risk factors of problematic gambling, problematic computer gaming and substance use among adolescents and young adults. Adolescents have been found to have higher rates of problematic gambling than adult populations. Moreover, an early entry into gambling behavior is associated with problematic gambling later in life. This emphasizes the importance of primary prevention strategies aiming to prevent or delay gambling onset. The second part of this work deals with the process and outcome evaluation of a school-based program for the primary prevention of adolescent gambling. Methods: For the analysis of co-occurrence and personal risk factors of problematic gambling, problematic computer gaming and substance use a cross-sectional survey was conducted. Data from 2,553 German students aged 12–25 years were obtained. Problematic gambling, problematic computer gaming, the use of tobacco, alcohol and cannabis as well as 12 personal risk factors were assessed. The school-based prevention program “Vernetzte www.Welten” (“networked www.worlds”) is aimed at 6th and 7th graders and was tested during a two-wave cluster-randomized controlled trial. The sample comprised 27 schools with 102 classes and 2,109 students aged 10–15 years. Schools were randomly assigned to the intervention or the control condition. In the intervention group the program was implemented by trained teachers during class time, while the control group did not receive any specific intervention. For the process evaluation, teachers and students in the intervention group evaluated each program unit using an anonymous feedback form. To examine the outcome effects students in both groups were surveyed twice by answering a questionnaire on their gambling behavior, gambling knowledge and gambling attitudes. Results: A significant co-occurrence was found between alcohol, tobacco and cannabis use, between problematic gambling and all forms of substance use as well as between problematic gambling and problematic computer gaming. Concerning common personal risk factors problematic gamblers seem to be more similar to substance users than to problematic computer gamers. Teachers and students rated the program „Vernetzte www.Welten“ consistently positive. Analyses revealed significant program effects in terms of an increase in gambling knowledge (β = 0.08; 95% CI: 0.05-0.11; d = 0.18), a decrease in problematic gambling attitudes (β = -0.13; 95% CI: -0.18-(-0.08); d = 0.15) as well as a decrease in current gambling (OR = 0.58; 95% CI: 0.36-0.95; d = 0.02). Discussion: Results provide further evidence for the co-occurrence between problematic gambling and substance use in adolescence. Additionally, a similar co-occurrence was found between problematic gambling and problematic computer gaming. However, findings concerning personal risk factors do not indicate that adolescents with problematic gambling, problematic computer gaming or substance use share a pattern of common personal characteristics. Future studies should consider a broader range of potential risk factors. Moreover, prospective studies are needed to gain insights into causal relationships. The evaluation of „Vernetzte www.Welten“ provides evidence for the feasibility and the acceptance of the prevention program. Furthermore, results indicate that the program can improve gambling knowledge, change problematic gambling attitudes and reduce current gambling behavior. However, these effects are short-term. Further studies have to address the program’s long-term effects on gambling behavior.

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Metadaten
Author: Birte Walther
URN:urn:nbn:de:gbv:9-001775-1
Title Additional (English):Gambling in adolescence: Risk factors and a school-based prevention approach
Advisor:Prof. Dr. Rainer Thomasius, Dr. Christian Meyer
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2014/04/10
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Universitätsmedizin (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2014/02/24
Release Date:2014/04/10
GND Keyword:Glücksspiel, Jugend, Prävention, Risikofaktor
Faculties:Universitätsmedizin / Institut für Epidemiologie u. Sozialmedizin
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit