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Über die Selbstmedikation mit Lokalanästhetika durch Glaukompatienten bei der Teletonometrie

  • Hintergrund: Die Selbsttonometrie als eine die augenärztliche Betreuung ergänzende Messung des Augeninnendrucks mit Hilfe eines automatischen Tonometers durch den Glaukompatienten selbst wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. So lange das Messgerätesystem im Kontaktverfahren mit der Augenoberfläche arbeiten muss, gehört die Applikation eines Oberflächenanästhetikums durch den Glaukompatienten im häuslichen Bereich zu den Vorraussetzungen eines erfolgreichen Messvorgangs. Bislang sind diesbezüglich keine schwerwiegenden Probleme im Rahmen dieser kontrollierten Selbstmedikation bekannt geworden. Trotzdem gehen Kostenträger im Gesundheitswesen unverändert von einer hohen Gefährdung der Patientengesundheit durch die Applikation von Lokalanästhetika während der Selbsttonometrie aus. Da klinische Studien der Versorgungsforschung hierzu fehlen, haben wir daher die topische Verträglichkeit eines Lokalanästhetikums im Rahmen der Selbsttonometrie mit einem modifizierten Tonometer Ocuton S evaluiert. Material und Methoden: Es beteiligten sich 100 Glaukompatienten jeweils 1 Jahr an einer prospektiven klinischen Studie der Versorgungsforschung. Das Telemonitorung umfasste dabei über mindestens 6 Monate die regelmäßige Selbsttonometrie. Hierzu wurden von den Probanden jeweils vor der Augendruckmessung mit einem modifizierten Selbsttonometer Ocuton S Proparakain-POS® 0,5% Augentropfen (Proxymetacain-HCl) appliziert. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurden die Angaben zur lokalen Verträglichkeit des Lokalanästhetikums analysiert. Die Intensität der subjektiven Symptome Tränenfluss, Druckgefühl, Brennen, Fremdkörpergefühl, Schleimbildung, Juckreiz und Schmerzen wurde jeweils auf einer visuellen Analogskala erfasst. Ergebnisse: Die Angaben von 83 Glaukompatienten über die lokale Verträglichkeit von Proxymetacain-HCl-Augentropfen konnten einer abschließenden Auswertung unterzogen werden. Aus verschiedenen Gründen waren von 17 Probanden keine Informationen zu gewinnen. Ursachen hierfür waren Ablehnung des Ausfüllens der Standardfragebögen, Abbruch der Teilnahme sowie bei zwei Probanden das Auftreten einer allergischen Reaktion und Umstellung auf ein anderes Lokalanästhetikum. Bei allen anderen Probanden erfolgte die Applikation ohne wesentliche lokale oder gar systemische Begleitsymptome oder Nebenwirkungen. Unmittelbar nach der Tropfung trat bei 36,1% der Probanden eine geringe Bindehauthyperämie auf. Diese bildete sich bei 20,4% der Patienten innerhalb 1 h zurück. 91,5% der befragten Glaukompatienten beurteilten die Einzelsymptome auf der visuellen Analogskala im Bereich von keiner bis mittlerer Intensität. Am schwerwiegendsten kamen laut subjektiver Bewertung die Symptome „Brennen“ mit einem Maximalwert von 94 sowie „Tränenfluss“ mit 96 zur Ausprägung. Für das Symptom Schleimbildung wurde die geringste Intensität ermittelt. Mit 72,3% lag die Beurteilung dieses Symptoms auf der visuellen Analogskala zwischen 0 und 10. Die weiteren Begleiterscheinungen Juckreiz, Druck- und Fremdkörpergefühl unterschieden sich in der subjektiven Einschätzung kaum. Schlussfolgerung: Die Selbstmedikation mit Lokalanästhetika kann im Rahmen der Selbsttonometrie bei ungeschädigter Augenoberfläche durch den Glaukompatienten vorgenommen werden, ohne das ein erhöhtes Gefahrenpotenzial vorliegt. Die Anwendung setzt allerdings voraus, dass die Routinekontrollen beim Augenarzt im Umfang der Empfehlungen durch die Fachgesellschaften wahrgenommen werden. Betreuungskonzepte, welche die Selbsttonometrie in die augenärztliche Regelversorgung integrieren und den komplexen Anforderungen an ein modernes Glaukommanagement genügen, sollten deshalb vermehrt Anwendung finden.
  • Background: Self-tonometry, a supplementary measurement of the intraocular pressure in ophthalmology by glaucoma patients using an automatic tonometer, will become more and more important in the future. As long as the self-tonometry has to work in the contact modus with the ocular surface, home application of a topical anaesthetic by the glaucoma patient will be a requirement for a successful measurement. So far no severe problems within this controlled self-medication have been seen. Nevertheless, public health authorities believe patient health is put at high risk by the application of local anaesthetics during self-tonometry. As there are no clinical studies of the health care, we evaluated the local tolerability of a topical anaesthetic in line with self-tonometry employing a modified tonometer OCUTON S. Material and methods: A total of 100 glaucoma patients participated in a prospective clinical study of the routine clinical service in which each was monitored for 1 year. The telemonitoring involved self-tonometry for at least 6 months in every case and Ocuton S Proparakain-POS® 0.5% eyedrops (proxymetacaine-HCl) were applied by the probands before every measurement of the intraocular pressure with a modified self-tonometer. Information regarding the local tolerability of the topical anaesthetic was analysed using a standardised questionnaire. The intensity of the following subjective symptoms was listed in separate visual analogue scales for: lacrimation, burning, foreign body sensation, mucus aggregation, pruritus and pain. Results: Information from 83 glaucoma patients on local tolerability of proparacaine eyedrops could be analysed. For several reasons no data could be gathered from 17 probands, which were refusal to complete the questionnaire, cancelled participation and, in two test persons, there emerged an allergic reaction (local eyelid redness and swelling) which necessitated a change to a different topical anaesthetic. In all other participants the application was carried out without any significant local or systemic symptoms or side-effects. Immediately after application of the eyedrops 36.1% of the test persons suffered a minor conjunctival hyperaemia which eased off within 1 h in 20.4% of these patients. Of the interviewed glaucoma patients 91.5% judged the single symptoms on the visual analogue scale between zero and medium intensity. The severest effects, according to the subjective evaluation, were felt in symptoms of burning with a score of 94 and lacrimation graded 96. The least intensity was established in the symptom of mucus aggregation where 72.3% rated this symptom in the visual analogue scale between 0 and 10. The other symptoms pruritus, feeling of pressure and foreign body sensation hardly differed in subjective ratings. Conclusion: A self-medication with topical anaesthetics on undamaged ocular surfaces for self-tonometry purposes can be performed by glaucoma patients without a high risk potential. However, the application presupposes that routine ophthalmological examinations are carried out according to the ophthalmological associations’ recommendations. Therefore, medical care concepts which integrate self-tonometry into routine ophthalmological services and comply with the complex requirements of a modern glaucoma management should be applied more often.

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Metadaten
Author: Grit Schäffner
URN:urn:nbn:de:gbv:9-000390-6
Title Additional (English):About the self-medication with local anaesthetics by glaucoma patients using selftonometry
Advisor:Prof. Dr. Frank Tost
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2007/07/23
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Medizinische Fakultät (bis 2010)
Date of final exam:2007/06/26
Release Date:2007/07/23
Tag:Lokale Verträglichkeit, Selbsttonometrie, Telemonitoring
GND Keyword:Glaukom, Lokalanästhetikum, Schmerz
Faculties:Universitätsmedizin / Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit