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Differentielles Erkennen emotionaler Gesichtsausdrücke bei Alexithymie

  • Das Alexithymie-Konstrukt beschreibt eine Störung affektiv-kognitiver Natur mit drei pathophysiologischen Hauptmerkmalen: der Schwierigkeit, Gefühle wahrzunehmen, diese zu kommunizieren und einem stereotypen, an äußeren Ereignissen orientierten Denkstil. Darüber hinaus leiden hochalexithyme Individuen an Schwierigkeiten im Bereich sozialer Interaktionen. Dieser Vulnerabilitätsfaktor wäre ein mögliches Bindeglied zwischen Alexithymie und psychischen sowie psychosomatischen Erkrankungen. Eine Erklärung für die sozialen Schwierigkeiten könnte in einem beeinträchtigten Erkennen emotionaler Gesichtsausdrücke liegen. Diese Studie untersucht die Hypothese eines mit Alexithymie assoziierten Defizites beim Erkennen emotionaler Gesichtsaudrücke an einer klinischen Population. Darüber hinaus werden Hypothesen zur Bedeutung spezifischer Emotionsqualitäten sowie zu Gender-Unterschieden getestet. 38 ambulante und stationäre psychiatrische Patienten (22 Frauen und 16 Männer) wurden mit der Toronto-Alexithymie-Skala (TAS-20), der Montgomery-Åsberg Depression Scale (MADRS), der Symptom-Check-List (SCL–90-R) und der Emotional Expression Multimorph Task (EEMT) untersucht. Als Stimuli des Gesichtererkennungsparadigmas dienten Gesichtsausdrücke von Basisemotionen nach Ekman und Friesen, die zu Sequenzen mit sich graduell steigernder Ausdrucksstärke angeordnet waren. Mittels multipler Regressionsanalyse konnte eine signifikante Assoziation von TAS-20 Punktzahl mit der Anzahl der Gesamtfehler und Fehlern beim Erkennen ängstlicher Gesichtsausdrücke gezeigt werden (beide beta = 0,47; p < 0,05). Die TAS-20 Punktzahl erklärte 12,6% (Gesamtfehler) und 12,5% (ängstliche Gesichtsausdrücke) der Varianz in der Fehlerzahl. In der geschlechtergetrennten Analyse zeigte sich für die weiblichen Stichprobe darüber hinaus eine signifikante Prädiktorqualität von Alexithymie für wütende Gesichtsausdrücke, während im männlichen Stichprobenteil kein signifikanter Zusammenhang zwischen TAS-20 Punktzahl und Fehlern in der Gesichtererkennung zutage trat. Kein Zusammenhang bestand ebenfalls zwischen der Zeit, nach der die Probanden die emotionalen Sequenzen stoppten, um ihre Bewertung abzugeben (Antwortlatenz) und Alexithymie. Die Ergebnisse der Arbeit unterstützen das Vorliegen eines mit Alexithymie assoziierten Defizites beim Erkennen emotionaler Gesichtsausdrücke in einer heterogenen, klinischen Stichprobe. Dieses Defizit könnte die Schwierigkeiten hochalexithymer im Bereich sozialer Interaktionen zumindest teilweise begründen und so eine Prädisposition für psychische sowie psychosomatische Erkrankungen erklären.
  • A dysfunctional cognitive processing of emotion is the pathophysiological main feature of alexithymia. Subjects with high levels of alexithymia have been shown to suffer from difficulties in social interaction, which may partly be accounted for by their impaired ability to interpret emotional facial expressions. This study explored the hypothesis of deficits in facial emotion recognition (FER) in a psychiatric patient sample. 38 in- and outpatients with substance use-, affective-, anxiety-, somatoform- or personality disorders were assessed with the Toronto Alexithymia Scale (TAS-20), the Symptom Check-List (SCL-90-R), and the Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS). Subjects performed recognition tasks of facial expressions (Emotional Expression Multimorph Task), gradually increasing from a minimal to maximal display of the 6 basic emotions. In multiple regression analyses the TAS-20 score was associated with general number of errors in interpreting facial expressions of emotion (beta = .47, p< .05) and errors in the recognition of fearful expressions (beta = .47, p< .05). TAS-20 scores accounted for 12.6% (general number of errors) and 12.5% (expressions of fear) of the variation in recognition errors. This association was not explained by psychiatric diagnoses or medication. Emotion- and gender-specific analyses revealed that the association was attributable to the female subgroup only. In particular, females with elevated levels of alexithymia had difficulties recognizing negative emotions such as anger and fear. Alexithymic features did not predict the emotional valence at which subjects stopped the emotional sequences (response latency). The results of this work confirm the association between alexithymia and deficits in FER of negative emotions. This may partly account for some of the difficulties of alexithymics in social settings.

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Metadaten
Author: Hans Daniel Dittrich
URN:urn:nbn:de:gbv:9-001151-9
Title Additional (English):Differential Recognition of Emotional Facial Expressions in Alexithymia
Advisor:Prof. Dr. Harald Jürgen Freyberger, Prof. Dr. Hans Jörgen Grabe
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2011/12/23
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Universitätsmedizin (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2011/11/21
Release Date:2011/12/23
Tag:Basisemotionen, Gesichtererkennung, TAS-20
Alexithymia, Facial Emotion Recognition
GND Keyword:Alexithymie, Erkennen, Geschlechtsunterschied, Mimik
Faculties:Universitätsmedizin / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit