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Notfallerfahrung und Notfallwissen – die Zusammenhänge mit Risikowahrnehmung und Disstress bei Notfällen und Katastrophen.

  • Das Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung der Zusammenhänge von Notfallwissen und Notfallerfahrung mit der Risikowahrnehmung für verschiedene Ereignisse (d.h. Brände, Hochwasser, Erdbeben und terroristische Anschläge). Die möglichen Übertragungseffekte von Notfallerfahrung auf die Risikowahrnehmung für andere Ereignisse sowie die Einflüsse von multinationalen objektiven Risikodaten auf Risikowahrnehmung wurden untersucht. Darüber hinaus wurde der Zusammenhang von Notfallwissen und Notfallerfahrung auch in Bezug auf den empfunden Disstress während eines Brandes analysiert. Sowohl das wahrgenommene Risiko als auch das ereignisbezogene Wissen gelten als wichtige initiale Komponenten des Prozesses zur Initiierung von präventiven Verhaltensweisen bzw. vorbereitenden Handlungen. Notfallwissen kann sowohl theoretisch, zum Beispiel durch eine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema, als auch praktisch, in Form von direkter Erfahrung mit einer solchen Situation, erlangt werden. Internationale Vergleiche bzw. Vergleiche zwischen verschiedenen Ereignissen sind auf Grund fehlender standardisierter Instrumente kaum möglich, und beziehen sich meist auf ein einzelnes spezifisches Ereignis. Notsituationen wie Brände, Erdbeben oder Hochwasser erfordern Reaktionen zumeist in kurzer Zeit und unter möglicherweise großem Stress. Notfallerfahrung sowie Notfallwissen könnten Faktoren sein, die die wahrgenommene Fähigkeit zum Handeln bzw. Bewältigen einer Situation erhöhen und somit möglicherweise den Disstress während der Ereignisse reduzieren. Zur Beantwortung der Fragestellungen wurden eine multinationale Stichprobe von Notfallbetroffenen sowie eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung Deutschlands herangezogen. Der positive Zusammenhang von Notfallerfahrungen und dem wahrgenommenen Risiko für dasselbe Ereignis konnte in den Studien für alle untersuchten Ereignisse bestätigt werden. Darüber hinaus zeigte sich eine erhebliche Reduzierung der Varianz zwischen den Ländern für die Risikowahrnehmung bezüglich Erdbeben und auch Terrorismus, wenn objektive länderspezifische Risikodaten in die Analyse einbezogen wurden. Der Einfluss von vorheriger Erfahrung auf die Risikowahrnehmung war für das Ereignis Hochwasser besonders groß, während er in Bezug auf Brände geringer war. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass Männer, insbesondere ohne vorherige Notfallerfahrung, eher zur Unterschätzung des eigenen Risikos neigen, während Frauen das eigene Risiko seltener unterschätzen und es eher überschätzen. Neben den direkten Effekten von Notfallerfahrung auf die Risikowahrnehmung konnten auch Übertragungseffekte identifiziert werden, wie z.B. der positive Zusammenhang zwischen der Erfahrung eines Brandes in einem öffentlichen Gebäude und der Risikowahrnehmung für einen Terroranschlag. Ein möglicher Erklärungsfaktor für die gefundenen Übertragungseffekte ist der gemeinsame Kontext dieser Ereignisse (öffentliches vs. privates Setting). Die Erfahrung mit einem Ereignis kann also möglicherweise nicht nur die Vorstellbarkeit des gleichen Ereignisses erhöhen und somit auch die Risikowahrnehmung für dieses Ereignis, sondern, bei ähnlichem Kontext, auch die Leichtigkeit des Abrufs für ähnliche Ereignisse. In Bezug auf das Notfallwissen konnte ein positiver Zusammenhang mit der Risikowahrnehmung für alle untersuchten Ereignisse gefunden werden, während der Zusammenhang zwischen Notfallwissen und der Ausprägung von Disstress während eines Brandes negativ war. Bei der Evaluation von Trainings erfolgt zumeist eine Bewertung des objektiven Wissensstandes, während eine subjektive Einschätzung des Wissens nicht erhoben wird. Die gefundenen Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine zusätzliche Erhebung dieser subjektiven Einschätzung des Notfallwissens sinnvoll sein kann, da diese den induzierten Disstress reduzieren kann. Zusammenfassend konnten die Untersuchungen zeigen, dass die Effekte von Notfallerfahrung auf Risikowahrnehmung nicht für alle Ereignisse gleich stark sind. Darüber hinaus konnten sowohl Übertragungseffekte von Notfallerfahrung als auch spezifische Effekte auf die Risikowahrnehmung von Männern und Frauen identifiziert werden. Um die Effektivität von Risikokommunikation zu steigern, könnte diese für spezifische Subgruppen angepasst werden. Zukünftige Studien sollten hier auch die möglichen Einflüsse weiterer Faktoren wie z.B. der altersspezifischen Risikodaten einbeziehen. Darüber hinaus könnten die identifizierten Übertragungseffekte darauf hindeuten, dass der Kontext von Ereignissen eine wichtige Rolle spielt. Eine Einführung von Präventionsmaßnahmen und die gleichzeitige Thematisierung der Relevanz für Ereignisse mit vergleichbarem Kontext könnten effektiv sein und so möglicherweise die Bereitschaft erhöhen. Im Hinblick auf die Effekte von wahrgenommenem Notfallwissen wären experimentelle Studien wertvoll, welche den Einfluss von Wissen prospektiv untersuchen.
  • The aim of this study was to examine the relationships of emergency knowledge and emergency experience with risk perception for different events (i.e. fires, floods, earthquakes and terrorist attacks). In particular, the possible cross-over effects of emergency experience on risk perception for other events as well as the impact of multinational objective risk data on risk perception were examined. Furthermore, the relationship of emergency knowledge and emergency experience with distress during a fire was investigated. Both the perceived risk and the event-related knowledge are seen as important initial components in order to adopt preventive behaviors or preparedness measures. Emergency knowledge can be obtained by direct experience with the particular hazard or by receiving information or training. International comparisons within and between different events are rare due to a lack of standardized instruments, and usually refer to one single event therefore, a generalization of results might be difficult since they might be due to the specific characteristics of this one event. Emergency situations such as fires, earthquakes and floods require reactions usually in a short period of time which possibly induces distress during the event. Emergency information and emergency knowledge might be factors that increase the perceived ability to handle the situation and thus may reduce the amount of distress during the events. In order to investigate the impact of emergency experience and emergency knowledge on risk perception and distress a multinational sample of emergency survivors as well as a representative sample of the population of Germany was drawn. A positive relationship between emergency experience and the perceived risk of the same event could be confirmed for all investigated events. Furthermore, country-level variances in risk perception for earthquakes and terrorism were significantly reduced when objective country-specific risk data were incorporated in the analysis. The impact of previous experience on perception of risk was especially large for floods, while it was rather small with respect to fires. In addition, the results showed that men, especially without prior emergency experience, rather underestimate their own risk, whereas women were less likely to underestimate their own risk and rather overestimated it. In addition to the direct effects of emergency experience on risk perception, some cross-over effects could be identified, such as a positive relationship between the experience of a fire in a public building and the perception of risk for a terrorist attack. A possible explanatory factor for this effect might be the shared context of these events (public vs. private setting). The experience of an event can therefore not only increase the ease of recalling the same event and thus the perception of risk for this event, but, in a similar context, the ease of recalling similar events. With respect to emergency knowledge a positive relationship with risk perception was found for all investigated events, while the link between emergency knowledge and the distress during a fire was negative. In the evaluation of emergency trainings usually only objective knowledge is investigated while the subjective assessment of knowledge is not examined. The present results suggest that an additional assessment of perceived and therefore subjective emergency knowledge can be useful, since it can reduce the induced distress during a fire. In summary, the studies showed that the effects of emergency experience on risk perception are not equally strong for all events. In addition, not only cross-ever effects of emergency experience but also gender-specific effects of emergency experience on risk perception could be identified. In order to improve the effectiveness of risk communication, an adaption of risk of risk information for these specific subgroups might be necessary. Future studies should not only try to include gender specific objective risk but also include even more specific sub-group risks such as the risks for different age-groups. In addition, the identified cross-over effects could indicate that the context of events plays an important role. An introduction of preventive measures by simultaneously addressing the relevance for different events with a similar context could be more effective and therefore increase the willingness to participate. With regard to the effects of perceived emergency knowledge on risk perception, experimental studies would be of value examining the impact of knowledge prospectively.

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Metadaten
Author: Daniela Knuth
URN:urn:nbn:de:gbv:9-002052-3
Title Additional (English):Emergency experience and emergency knowledge - the relationships with risk perception and distress during emergencies and disasters.
Advisor:Prof. Dr. Silke Schmidt
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2014/10/28
Granting Institution:Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (bis 31.05.2018)
Date of final exam:2014/10/20
Release Date:2014/10/28
Tag:Notfallerfahrung, Notfallwissen, Risikowahrnehmung
distress, emergency experience, emergency knowledge, risk perception, survivors
GND Keyword:Notfallvorsorge, Stress, wahrgenommenes Risiko
Faculties:Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Psychologie
DDC class:100 Philosophie und Psychologie / 150 Psychologie