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Psychische Belastung und Geburt

  • Zusammenfassung 43,6 % der Schwangeren in Deutschland leiden unter mindestens einer psychischen Erkrankung, am häufigsten sind Depressionen und Ängste. Das Risiko für eine verlängerte Geburtsdauer, einen pathologischen Geburtsverlauf und Geburtsmodus ist erhöht. Durch eine individualisierte psychotherapeutische Intervention soll ein positiver Einfluss auf den Verlauf der Geburt erreicht werden. In dem Präventionsnetzwerk Vorpommern: Psychosoziale und neurobiologische Gesundheit von Schwangeren und jungen Müttern (PriVileG-M), einer randomisierten kontrollierten Studie wurden die gesunden Schwangeren der gesunden Gruppe (GG) und die psychisch belasteten Schwangeren einer Interventions- (PBI) oder einer Kontrollgruppe (PBK) zugeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt eine individualisierte Psychotherapie, die pränatal, ab ca. der 25. Schwangerschaftswoche begann. Bis zum Zeitpunkt der Geburt erfolgten ca. 7-10 Interventionen mit einer Frequenz von ein bis zwei Wochen zwischen jeder psychotherapeutischen Intervention. Im Geburtsfollow-up wurden die Geburtsparameter dokumentiert. Die Ergebnisse zeigten hypothesenkonform, dass die gestressten bzw. psychisch belasteten Frauen eine längere Geburtsdauer und mehr pathologische Geburtsausgänge (Sectio, Forceps, Vakuumextraktion) haben. Insbesondere wurde der Verlauf der Geburt durch Angstsymptome und erlebte Kindheitstraumata, sogar unabhängig von der Gruppenzuteilung beeinflusst. Die individualisierte psychotherapeutische Intervention mit ihren 7- 10 Sitzungen bewirkte keine messbaren, signifikanten Veränderungen in der Geburtsdauer und Geburtsmodus in der Interventionsgruppe gegenüber der psychisch belasten Kontrollgruppe oder der gesunden Gruppe (GG). Die möglichen Effekte der Psychotherapie könnten aufgrund der noch zu kleinen Gruppengröße statistisch nicht deutlich geworden sein. Denkbar ist auch, dass der Beginn in der 25. Schwangerschaftswoche zu spät gewählt war oder die Anzahl der Interventionen in der Schwangerschaft. So bleibt weiterhin eine interdisziplinäre Forschung notwendig, welche Art der Behandlung, wie oft und in welcher Schwangerschaftswoche beginnend eine psychische Stabilisierung erreichen könnte, um eine signifikante Verringerung der pathologischen Geburtsverläufe, insbesondere der Kaiserschnittrate, eine durchschnittliche Geburtsdauer und eine positive Geburtserfahrung zu erreichen. Dies erfordert ein frühzeitiges standardisiertes Screening psychischer Belastungen, Kindheitstraumata und vorausgegangene schwierige Geburten in der gynäkologischen oder hebammengeleiteten Schwangerenvorsorge, wie es in einigen Ländern bereits zur Routine gehört. Schlüsselwörter: präpartale psychische Belastung, Geburt, psychotherapeutische Intervention, Schwangere, Geburtsmodus, Geburtsdauer

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Metadaten
Author:Dipl.-Psych. Kerstin Liutkus
URN:urn:nbn:de:gbv:9-opus-111012
Title Additional (German):Psychological stress and birth
Referee: Hans J. GrabeORCiD, Prof. Dr. med. Michael Kölch
Advisor: Hans J. Grabe
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Year of Completion:2023
Date of first Publication:2024/06/10
Granting Institution:Universität Greifswald, Universitätsmedizin
Date of final exam:2023/12/19
Release Date:2024/06/10
Tag:Geburt; Psychische Belastung; Stress; Trauma
GND Keyword:Geburt; Stress; psychische Belastung; Trauma
Page Number:108
Faculties:Universitätsmedizin / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit