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Fieberkrämpfe: Wahrnehmungen und Wissen von Eltern betroffener und nicht betroffener Eltern
- Anteile der Erläuterungen und Ergebnisse dieser Dissertationsschrift sind bereits in Rice SA et al. [1] beschrieben und veröffentlicht worden. Fieberkrämpfe (FK) im Kindesalter sind häufig, mit einer Inzidenz von 2-4% in Europa. FK treten vor dem 6. Lebensjahr bei Fieber mit einer Körpertemperatur von >38°C auf. Die häufigsten Grunderkrankungen sind Atemwegsinfektionen und Gastroenteritis durch Viren. Einfache/unkomplizierte FK (bis zu 73% aller FK) sind gutartig. 90% der FK dauern <5 Minuten und bedürfen keiner Intervention. Wiederkehrende FK im Alter <12 Monate scheinen assoziiert mit einem erhöhten Epilepsierisiko und der Möglich-keit früher symptomatischer Syndrome in der neurologischen Entwicklung. Die Prog-nose von FK anderer Altersklassen scheint in der Regel eher günstig. Nach zwei Jah-ren ist das Risiko für FK-Rezidive fast wieder ausgeglichen im Vergleich zur Gesamt-population. Über 90% der betroffenen Kinder werden keine Epilepsie nach FK entwi-ckeln. Das Epilepsierisiko nach FK scheint mit der Zeit wieder zu sinken. Eltern können daher v.a. über die Gutartigkeit dieses Phänomens aufgeklärt werden. Eine Risikobe-wertung für FK-Rezidive sowie eine Bewertung des Epilepsierisikos nach FK erschei-nen sinnvoll. Bisherige Studien berichteten über unzureichende Kenntnisse über FK und ein hohes Maß an Angst bei Eltern, die Zeuge eines FK bei ihrem Kind wurden. Am häufigsten sorgten sich die Eltern um den künftigen Gesundheitszustand ihres betroffenen Kin-des. Wir befragten Eltern von Kindern im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren, die von FK betroffen waren (FK-Gruppe: 65 Eltern) oder nicht betroffen waren (Kontrollgruppe: 54 Eltern) zu diesen Themen, um sowohl die Wahrnehmungen und den Wissensstand der Eltern als auch zur Qualitätssicherung die Bedürfnisse und die Anforderungen der Eltern an Beratungen durch Gruppenvergleiche in den Fokus der Forschung zu rü-cken. Diese Gruppenvergleiche schließen eine Lücke in der aktuellen Forschung. Auch in unserer Studie hatten 89% der Eltern aus der FK-Gruppe Angst mit einem Ausprägungsgrad auf der Nummerischen Rating Skala (NRS) im Median mit 10 von 10 (Q25/Q75: 9/10; Min/Max 3/10) angegeben. Die quantitative Einordnung dieser Angst auf der NRS ist erstmalig in unsere Studie beschrieben. Im Zusammenhang mit den Folgemaßnahmen nach FK werden 77% unserer FK-Gruppe einen besonderen Fokus auf ihr betroffenes Kind haben und 63% der Eltern werden früher Antipyre-tika/Fiebermedikamente bei einer medianen Körpertemperatur von 38,2°C (Q25/Q75: 38,0°C/38,5°C; Min/Max: 37,5°C/39,5°C) verabreichen. Diese Reaktionen auf FK kön-nen durch mehrere Metaanalysen und eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2021 als nicht notwendig eingestuft werden. 69% unserer FK-Gruppe werden nicht häufiger beim Kinderarzt vorstellig werden. Dies könnte, wie auch in vorherigen Studien beschrieben, eine individuelle Kompetenz der Eltern als Bewältigungsressource nahelegen, um gezeigte Langzeiteffekte zu vermei-den. Diese Kompetenz der Eltern gilt es künftig zu erforschen. Das Wissen der Eltern über FK sowohl betroffener als auch nicht betroffener Kinder war auch in unserer Studie unzureichend. Nur 32% der Eltern unserer FK-Gruppe er-kannte bei ihrem Kind den FK als das Ereignis eintrat. In der FK-Gruppe wussten 62% vor dem ersten FK-Ereignis nichts über FK (54% der Kontrollgruppe wussten bis zum Zeitpunkt unserer Studie nicht von FK, n.s.). 20% unserer FK-Gruppe würden weiterhin die obsolete Maßnahme, einen festen Gegenstand in den Mund eines krampfenden Kindes zu stecken, durchführen (Kontrollgruppe 39%, p = 0.030). 92% der FK-Gruppe wären bereit, ein zur Verfügung stehendes krampfunterbrechen-des Notfallmedikament zu verabreichen (Kontrollgruppe 78%, p = 0.019). Diese Appli-kationsbereitschaft hat schon in einer multizentrischen Studie gezeigt, dass eine FK-Anfallsdauer <5 Minuten eingehalten werden kann. Dies stellt wiederrum einen Schutz vor anhaltenden, komplexen/komplizierten FK (bis zu 35% aller FK) und deren Kom-plikationen dar. Die Eltern unserer Kontrollgruppe fühlten sich signifikant eher unvorbereitet auf ein FK-Ereignis als unsere FK-Gruppe (p < 0.001). Informationen über FK und deren Behand-lung sollten für Eltern besser verfügbar sein, da dies auch die Patientensicherheit ver-bessern könnte. 74% der Kontrollgruppe hätten diese Informationen gerne vor dem ersten FK-Ereignis (FK-Gruppe 15%, p < 0.001). Diese Informationen über FK könnten z.B. in Form von Flyern in Kinderarztpraxen und Kinderkliniken leicht verteilt werden. Darüber hinaus könnte eine Informationskampagne routinemäßig während der Vorsor-geuntersuchungen für Kinder zur Schulung von Eltern durchgeführt werden. Um den Eltern die Bewältigung von FK-Erfahrungen zu erleichtern, sollten sie als basale Maß-nahme nach einem FK-Erlebnis mehr emotionale Unterstützung durch das Personal im Gesundheitswesen erhalten.
- Febrile seizures (FS) in children are common, but little is known about parents’ perceptions and knowledge of FS. We interviewed parents of children aged 6 months to 6 years affected by FS (FS group, 65 parents) or unaffected (control group, 54 parents). In the FS group, 32% said they knew their child had an FS when the first event occurred, and 89% described fear when the child had a seizure, with a median intensity of 10/10 (Q25/Q75: 9/10). Related to follow-up, 77% in the FS group (will) observe their child more carefully after the first seizure happened, and 63% (will) give antipyretics earlier at a median temperature of 38.2 °C (100.8 °F). In the FS group, 62% were unaware of FS before the first event (54% of control group did not know about FS thus far, n.s.). In the FS group, 20% would put a solid object in the mouth of a child having a seizure (control group, 39%, p = 0.030), and 92% would administer an available anti-seizure rescue medication (control group, 78%, p = 0.019). In the FS group, 71% feared that children with FS might suffocate (control group, 70%, n.s.). Conclusion: Information about FS and their management should be more available to improve parents’ coping and patient safety. What is Known: • Febrile seizures in children are common. • The prognosis of children suffering from febrile seizures is usually rather good. What is New: • Over half of parents had not informed themselves about febrile seizures so far; and only 32% of parents realized their child had a febrile seizure when it occurred. • Most parents described own fear with a median intensity of 10/10; and 63% (will) give antipyretics earlier at a median temperature of 38.2 °C (100.8 °F).
| Author: | Steven Alan RiceORCiD |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:gbv:9-opus-112838 |
| Title Additional (English): | Febrile seizures: perceptions and knowledge of parents of affected and unaffected children |
| Referee: | Prof. Dr. med. Astrid Bertsche, Prof. Dr. med. Gerhard Kurlemann |
| Advisor: | Prof. Dr. med. Astrid Bertsche |
| Document Type: | Doctoral Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2024 |
| Date of first Publication: | 2024/08/01 |
| Granting Institution: | Universität Greifswald, Universitätsmedizin |
| Date of final exam: | 2024/07/18 |
| Release Date: | 2024/08/01 |
| Tag: | Angst; Fieberkrämpfe; Kinder; Notfallmedikamente gegen Krampfanfälle; Wahrnehmung Anti-seizure rescue medication; children; fear; febrile seizures; perception |
| GND Keyword: | Fieberkrämpfe; febrile seizures; Kinder; children; Wahrnehmung; perception; Angst; fear; Antipyretika; antipyretics |
| Page Number: | 72 |
| Faculties: | Universitätsmedizin / Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin |
| DDC class: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit |
