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Kindernotfälle im Luftrettungsdienst: Analyse der persönlichen Kompetenzeinschätzung von Luftrettungsdienstpersonal in Bezug auf absolvierte zertifizierte Notfallkurse
- Einleitung: Kindernotfälle sind auf Grund ihrer Seltenheit eine besondere Herausforderung für den Rettungsdienst. Das Gesundheitssystem und insbesondere die Kindermedizin steht durch Personalmangel und Schließungen von Kliniken vor großen Herausforderungen. Diese Versorgungslücke könnte durch die Luftrettung und die Disposition von Rettungshubschraubern zu Kindernotfällen geschlossen werden. Damit es gelingt eine hochqualifizierte Notfallversorgung der Kinder sicherzustellen, muss das Personal auf dem Rettungshubschrauber aus- und weitergebildet werden. Um in hochdynamischen Situationen, wie sie bei der Versorgung von vital bedrohten Patienten vorkommen, den Überblick zu behalten und den Notfall routiniert abarbeiten zu können wurden zertifizierte Notfallkurse und Simulationstrainings entwickelt. Es stellt sich die Frage ob Luftrettungspersonal, welches zertifizierte Notfallkurse besucht hat, sein Sicherheitsempfinden bei der Behandlung von bestimmten Erkrankungen und Verletzungen bei Kindern höher einschätzt als Personal, welches keinen zertifizierten Kindernotfallkurs besucht hat. Methode: Zur Beantwortung der Fragestellung wurden drei Analysen durchgeführt. In einer retrospektiven Datenerhebung der HEMSDER Datenbank der DRF Luftrettung wurden Primäreinsätze von Patienten vor dem elften Geburtstag aus dem Zeitraum 2014 bis 2018 analysiert. In einer Onlineumfrage wurden Notärzte und HEMS TC der ADAC und DRF Luftrettung zum Sicherheitsempfinden bei definierten Notfallbildern und zum Sicherheitsempfinden beim Durchführen von medizinischen Maßnahmen befragt. Zudem erfolgte durch die Teilnehmenden eine subjektive Evaluation zertifizierter Notfallkurse, die zuvor in einer Literaturrecherche identifiziert wurden. Ergebnisse: Kindernotfälle machten 6 % aller 127.964 Primäreinsätze der DRF Luftrettung im Erhebungszeitraum aus. Vital bedroht waren 26 % der Kinder. Einen Gefäßzugang erhielten 50 % der Kinder, eine Maßnahme aus dem Atemwegsmanagement wurde in 7 % der Fälle durchgeführt. 93 % der Kinder wurden einer weiteren Behandlung im Krankenhaus zugeführt, davon wurden 50 % mit dem Rettungshubschrauber transportiert. Am Notfallort verstarben 0,65 % der Kinder. Den Fragebogen bearbeiteten 171 Notärzte und HEMS TC. Bei pädiatrischen Notfallpatienten war das Sicherheitsempfinden bei Notfallbildern, die häufig vorkamen (z.B. Krampfanfälle) oder nach einem festen Schema abgearbeitet werden können und häufig trainiert werden (z.B. Herz-Kreislauf-Stillstand oder Anaphylaxie) hoch. Geringeres Sicherheitsempfinden bestand bei seltenen pädiatrischen Notfallbildern (z.B. Herzrhythmusstörungen) oder bei Notfallbildern mit komplexen Abläufen (z.B. Polytrauma- oder Neugeborenenversorgung). In dieser Arbeit wurden acht zertifizierte Notfallkurse für volljährige Patienten und sieben zertifizierte Notfallkurse für pädiatrische Patienten, sowie CRM-Kurse berücksichtigt. Mindestens einen zertifizierten Kurs für erwachsene Notfallpatienten haben 81 % der Teilnehmenden besucht und mindestens einen zertifizierten Notfallkurs für pädiatrische Patienten haben 43 % der Befragten besucht. 91 % der Umfrageteilnehmenden empfahlen den Besuch von zertifizierten Notfallkursen zu jeder Zeit oder spätestens vor Aufnahme der Tätigkeiten auf einem Rettungshubschrauber. Befragte, die einen zertifizierten Kindernotfallkurs besucht hatten, hatten ein höheres Sicherheitsempfinden bei Maßnahmen des erweiterten Atemwegsmanagements (Larynxmaske [p = .017], Intubation [p = .007], Videolaryngoskopie [p = .001], chirurgischer Luftweg [p = .043]). Auch der Besuch eines zertifizierten Notfallkurses für erwachsene Patienten war mit einem signifikant höheren Sicherheitsempfinden sowohl bei der Behandlung der Notfallbilder (p = .02), als auch beim Durchführen von medizinischen Maßnahmen bei Kindern (p = .025) assoziiert. Diskussion: Diese Arbeit zeigt, dass seltene Verletzungen und Erkrankungen mit der höchsten vitalen Gefährdung in der vulnerabelsten Patientengruppen (Säuglinge und Kleinkinder) mit dem geringsten Sicherheitsempfinden beim Team des Rettungshubschraubers assoziiert sind. Das einzelne Teammitglied ist äußerst selten mit der Behandlung eines vital bedrohten Kindes konfrontiert. Aus den vorgestellten Daten und der Literaturrecherche lässt sich ableiten, dass eine erfolgreiche Versorgung durch die Luftrettung am besten gelingen kann, wenn im Team diese seltenen Situationen regelmäßig trainiert werden. Die organisatorischen Strukturen sollten so geschaffen werden, dass auf dem Rettungshubschrauber tätige Ärzte und Notfallsanitäter entsprechende Life Support Kurse besucht haben und regelmäßig die Versorgung von kritisch kranken Kindern trainieren. So kann der Rettungshubschrauber frühzeitig und primär von der Rettungsleitstelle zu Kindernotfällen, auch unter Inkaufnahme einer Übertriage, alarmiert werden. Schlussfolgerung: Für die spezifische Versorgung von vital bedrohten Kindern ist die Luftrettung sowohl auf Grund des schnellen Transportmittels als auch auf Grund der Expertise der Notärzte und Notfallsanitäter prädestiniert. Zusätzlich zum Besuch von zertifizierten Notfallkursen, um die Basismaßnahmen zu lernen, ist ein gestuftes, aufeinander aufbauendes strukturiertes Notfalltraining mit jährlichen Wiederholungen und klinischer Praxis zu fordern. So könnte eine Versorgungsstruktur für vital bedrohte Kinder geschaffen werden, ohne die knappen Kapazitäten der Kinder- und Jugendmedizin präklinisch zu binden.
- Introduction: Paediatric emergencies are a significant challenge for rescue services due to their rarity. The German healthcare system, and particularly paediatric medicine, is facing major challenges due to staff shortages and hospital closures. This gap in care could potentially be addressed by air rescue services, with dispatching helicopter emergency medical services (HEMS) to paediatric emergencies. To ensure high-quality emergency care for children, personnel on rescue helicopters must receive proper training and continuous education. Certified emergency courses and simulation training have been developed to equip medical staff with the skills needed to manage emergencies effectively, particularly in highly dynamic situations, involving critically endangered patients. This study seeks to address whether air rescue personnel who have attended certified paediatric emergency courses perceive a higher sense of safety in managing paediatric emergencies compared to personnel who have not completed paediatric emergency courses. Method: To answer the research question, three analyses were conducted. The first involved a retrospective analysis of data from the HEMSDER database maintained by DRF Luftrettung focusing on primary emergency responses to patients under the age of 11 from 2014 to 2018. The second component consisted of an online survey administered to emergency physicians and HEMS Crew Members from ADAC and DRF Luftrettung. Respondents were asked to assess their sense of safety when dealing with specific emergency scenarios and when performing medical interventions. Participants were also asked to provide a subjective evaluation of certified emergency courses, which had been identified in a prior literature review. Results: Paediatric emergencies accounted for 6% of all 127,964 primary responses by DRF Luftrettung during the study period. Of the paediatric patients, 26% were categorized as critical. Fifty percent received vascular access, and 7% underwent airway management procedures. 93% of the children were transported to a hospital for further treatment, 50% of them were transferred by rescue helicopter. At the scene of the emergency, 0.65% of the children died. A total of 171 emergency physicians and HEMS TC answered the survey. Respondents reported a higher sense of safety in paediatric emergency scenarios that occurred frequently (e.g. seizures) or can be processed by following standardized protocols and are frequently exercised (e.g. cardiac arrest or anaphylaxis). A lower sense of safety was reported for rare paediatric emergencies (e.g. cardiac arrhythmia) or scenarios with complex workflows (e.g. polytrauma, neonatal care). This study identified eight certified emergency courses for adult patients and seven certified paediatric emergency courses as well as CRM courses. Among participants, 81% had attended at least one certified course for adult emergencies and 43% had completed at least one certified paediatric emergency course. Notably, 91% of respondents recommended attending certified emergency courses either at any time or at least before starting work on a rescue helicopter. Personnel who attended a certified paediatric emergency course reported a significantly higher sense of safety when performing advanced airway management procedures (laryngeal masks [p = .017], intubation [p = .007], video laryngoscopy [p = .001], and surgical airways [p = .043]). Interestingly, attending certified emergency courses for adult emergencies also correlated with a significantly higher sense of safety in managing paediatric scenarios (p = .02) and performing medical interventions for paediatric patients (p = .025). Discussion: The findings of this study suggest that rare life-threatening paediatric conditions, particularly those affecting the most vulnerable age groups (i.e. infants and young children), are associated with a low sense of safety among helicopter emergency medical service personnel. Individual team members are rarely confronted with the treatment of a critically ill child. The data, alongside the results of the literature review, indicate that effective care for paediatric emergencies in the context of air rescue is more likely when these rare and complex scenarios are regularly practiced within the team. Organizational structures should be designed to ensure that all medical personnel working on rescue helicopters have attended the relevant Life Support courses and participate in regular, structured paediatric emergency trainings. Such preparation would allow for early and prioritized dispatch of air rescue services to pediatric emergencies, even this occasionally results in over triage. Conclusion: Helicopter emergency medical service predestined for the specific care of critical endangered children due to the combination of rapid transport capabilities and the expertise of emergency physicians and paramedics. Optimizing care for critically endangered children requires a multi-tiered approach to training. Beyond the completion of certified emergency courses that cover foundational skills, a structured training program should be implemented. This program should include advanced paediatric scenarios, annual refreshers, and hands-on clinical practice to maintain and enhance competence. This approach would ensure a robust care system for critically endangered children without overburdening the limited resources available in paediatric medicine in prehospital settings.
| Author: | Stefan MocklerORCiD |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:gbv:9-opus-123864 |
| Title Additional (English): | Paediatric emergencies in Helicopter emergency medical service: Analysis of self-assessed competence of air rescue personnel in relation to completed certified emergency courses |
| Referee: | Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp, Prof. Dr. Sebastian Rehberg |
| Advisor: | Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp |
| Document Type: | Doctoral Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2024 |
| Date of first Publication: | 2024/12/02 |
| Granting Institution: | Universität Greifswald, Universitätsmedizin |
| Date of final exam: | 2024/11/15 |
| Release Date: | 2024/12/02 |
| Tag: | Emergency medicine; Helicopter emergency medical service; Life Support courses; Paediatric emergency |
| GND Keyword: | Notfallmedizin; Luftrettung; Notarzt; Pädiatrie; Pädagogik; Weiterbildung |
| Page Number: | 108 |
| Faculties: | Universitätsmedizin / Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin |
| DDC class: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit |
