Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-opus-124328
OCT-Telematik in der interdisziplinären medizinischen Diagnostik
- Die vorliegende Arbeit untersuchte die Anwendung von OCT-Telematik in der interdisziplinären Diagnostik. Hierzu wurden im Rahmen einer Querschnittsstudie stationäre Patienten auf den internistischen Stationen des Krankenhauses in Wolgast von April bis August 2014 als Probanden rekrutiert. Mit allen Teilnehmern wurde anhand eines standardisierten Bogens die Eigenanamnese erhoben. An beiden Augen wurde im Anschluss als nicht-invasives Bildgebungsverfahren ein Makula-OCT und ein zentrales Fundusfoto, ohne Notwendigkeit einer medikamentös induzierten Mydriasis, angefertigt und über einen gesicherten VPN-Tunnel an ein baugleiches Gerät in die Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald versandt. Von 292 rekrutierten Teilnehmern wurden insgesamt 598 Datensätze erhoben; hiervon konnten 580 Makula-OCTs und 486 Fundusfotos hinsichtlich morphologischer Auffälligkeiten beurteilt sowie einer Diagnose aus einem definierten Spektrum zugeordnet werden. Die nicht beurteilbaren Datensätze (0,9% der Makula-OCTs und 16,9% der Fundusfotos) waren in Einzelfällen durch Systemfehler, in der überwiegenden Anzahl jedoch durch unzureichende Aufnahmequalität bedingt. Mögliche Gründe hierfür können die Erhebung der Befunde bei neutraler Pupille, eine erhöhte Rate an Trübungen der optischen Medien wie der Katarakt als auch die Aufnahmeerhebung durch nichtaugenärztliches Personal sein. Die Datensätze wurden im Jahr 2014 durch einen Studenten der Humanmedizin im sechsten Semester und im Jahr 2020 durch einen Assistenzarzt der Augenheilkunde im dritten Weiterbildungsjahr mit einjähriger Erfahrung in der retinologischen Sprechstunde ausgewertet. Zudem wurden alle Datensätze durch einen augenärztlichen Oberarzt in den Jahren 2020 und 2021 reevaluiert, um die medizinische Plausibilität der Befunderhebung zu überprüfen. Es konnte gezeigt werden, dass sich die untersuchten Probanden in epidemiologischen Aspekten deutlich von der Durchschnittsbevölkerung unterschieden. Das Alter der untersuchten Teilnehmer lag im Durchschnitt 17 Jahre über dem der Gesamtbevölkerung im Jahr 2014. Die Studienteilnehmer zeigten im Gegensatz zu typischerweise stichprobenartig ermittelten Teilnehmern aus anderen populationsbasierten Studien neben dem höheren Alter auch erhöhte Prävalenzen für allgemeinmedizinsch-internistische Erkrankungsbilder. So fanden sich für Diabetes mellitus, Adipositas und arteriellem Hypertonus teils um ein Vielfaches höhere Prävalenzen im Vergleich zu großen epidemiologischen Studien. Die häufigsten Auffälligkeiten der Makula-OCTs und Fundusfotos bezogen sich auf Veränderungen im Rahmen einer AMD und DRP. Ein deutlicher Anstieg der Prävalenz der AMD mit zunehmendem Alter war erkennbar. Die Häufigkeit AMD-typischer Veränderungen deckte sich mit denen aus epidemiologischen Studien, wobei ein direkter Vergleich durch unterschiedliche Untersuchungsverfahren und Zusammenstellung der untersuchten Teilnehmer nicht ohne weiteres auf anderen Studien übertragbar war. Ähnliches gilt für die festgestellten Veränderungen der DRP. Limitierend für die Interpretation der Befunde war das Vorliegen von jeweils nur einem Makula-OCT und einem zentralen Fundusfoto. Die in zahlreichen Studien parallel eingesetzten Untersuchungsmodalitäten wie Weitwinkelaufnahmen in Miosis, Aufnahmen nach dem ETDRS-Schema in sieben Feldern in medikamentöser Mydriasis oder eine Spaltlampenuntersuchung in medikamentöser Mydriasis durch einen Augenarzt zur Validierung sind an den Teilnehmern der Wolgaster Querschnittsstudie nicht erfolgt. Viele Aspekte sprechen dafür, dass die Prävalenzen der festgestellten Veränderungen durch Hinzunahme weiterer Untersuchungstechniken höher liegen könnten. Von den Fachgesellschaften und vielen Studien wird daher aus nachvollziehbaren Beweggründen eine alleinige Befundung der bildgebenden Verfahren nicht als Ersatz für eine augenärztliche Untersuchung unter Einhaltung des Facharztstandards empfohlen. Hier bietet sich Potenzial für weitere Forschung, um kosteneffektiv, patientenfreundlich und sicher medizinische Befunde erheben und einordnen zu können. Interessant ist die Fragestellung, wer im Rahmen eines derartigen telemedizinischen Konzeptes die medizinischen Befunde auswertet. In der Befundung der erhobenen Datensätze der vorliegenden Studie konnte kein signifikanter Unterschied zwischen der Diagnostik durch einen Assistenzarzt im dritten Weiterbildungsjahr und einem Oberarzt mit langjähriger Berufserfahrung ermittelt werden. In vielen Studien ist nur unzureichend formuliert und ersichtlich, welche Voraussetzungen die befundenden Personen erfüllen müssen, um eine ausreichend hohe Validität zu erbringen. In Anbetracht der Ressourcenknappheit – insbesondere der personellen Ressourcen – stellt sich daher die Frage, ob eingearbeitetes assistenzärztliches Personal diesen Anforderungen gerecht werden kann. Die Etablierung telemedizinischer ophthalmologischer Standards und transparenter vollumfänglicher Rahmenbedingungen für denjenigen, der telemedizinische Leistungen anbietet, sind sowohl von den Fachgesellschaften als auch dem Gesetzgeber notwendig, um Patientensicherheit und haftungsrechtliche Aspekte für den jeweiligen Augenarzt zu gewährleisten.
| Author: | Daniel Schulz |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:gbv:9-opus-124328 |
| Title Additional (German): | OCT-Telematics in Interdisciplinary Medical Diagnostics |
| Referee: | Prof. Dr. med. Frank Tost, PD Dr. med. Jens Heichel |
| Document Type: | Doctoral Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2024 |
| Date of first Publication: | 2024/12/16 |
| Granting Institution: | Universität Greifswald, Universitätsmedizin |
| Date of final exam: | 2024/12/02 |
| Release Date: | 2024/12/16 |
| GND Keyword: | OCT; optische Kohärenztomografie; interdisziplinäre medizinische Diagnostik |
| Page Number: | 137 |
| Faculties: | Universitätsmedizin / Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde |
| DDC class: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit |
