Bitte verwenden Sie diesen Link, wenn Sie dieses Dokument zitieren oder verlinken wollen: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:9-opus-125356
Blasenfunktionsstörungen in der Gynäkologischen Onkologie
- In den letzten Jahren hat sich die Therapie onkologischer Erkrankungen signifikant verbessert. Dank zukünftiger Forschung wird die Quantität an Lebensjahren sowohl in adjuvanter als auch in palliativer Situation zunehmen. Die Bedeutung der Lebensqualität in dieser gewonnenen Lebenszeit wird daher für die Patientinnen zunehmen und begründet somit den Fokus dieser Arbeit. In dieser retrospektiven Betrachtung wurden 43 Patientinnen der Universitätsmedizin Greifswald mit Blasenfunktionsstörungen, die zuvor wegen eines gynäkologischen oder senologischen Malignoms behandelt wurden, statistisch analysiert. Es wurden potentielle Auswirkungen einer Malignomtherapie auf den Beckenboden der Frauen und insbesondere auf die Funktion der Harnblase untersucht. Patientinnen mit gynäkologischen und senologischen Malignomen haben ein erhöhtes Risiko eine Blasenfunktionsstörung zu entwickeln [7, 108]. Dabei gibt es kein generalisiertes Risiko. Das Risiko ist vom Karzinom und dessen Therapie abhängig und variiert daher in der Ausprägung. So zeigt sich beim Mammakarzinom eine kurzfristige Beeinflussung des Beckenbodens durch eine Chemotherapie [85, 125] sowie ein langfristiger Effekt auf die Blasenfunktion durch Polyneuropathie erzeugende Zytostatika [84, 85]. Der Einfluss einer antihormonellen Therapie auf die Harnblasenfunktion wird in der Literatur in einem sehr heterogenen Bild gesehen. Eine negative Beeinflussung auf den Genitaltrakt ist jedoch belegt und spiegelt sich auch in der Beurteilung des Beckenbodens des betrachteten Patientinnenkollektivs wider. Ovarialkarzinompatientinnen sind in frühen FIGO-Stadien einem geringen Risiko für die Entwicklung einer Blasenfunktionsstörung ausgesetzt. Je weiter das Malignom vorangeschritten ist, desto ausgedehnter erfolgt die Operation. Dadurch können Teile der Harnblase und des autonomen Nervengeflechtes im kleinen Becken verletzt werden. In Bezug auf zytostatikaassoziierte neurotoxische Nebenwirkungen haben Patientinnen durch die Standardtherapie mittels Carboplatin und Paclitaxel ein ebenfalls erhöhtes Risiko. Uterusmalignome wie das Endometriumkarzinom werden häufig dank ihrer frühen Symptomatik in niedrigen Stadien diagnostiziert. Daher hat hier die Therapie, welche zumeist eine einfache Hysterektomie beinhaltet nur einen geringen Einfluss auf die Blasenfunktion [9, 68]. So zeigt sich auch im betrachteten Patientinnenkollektiv eine bessere Prognose der BFS als nach radikaler Hysterektomie. Das Vorliegen einer Adipositas erhöht gleichermaßen das Risiko für eine Harninkontinenz, als auch für ein Endometriumkarzinom [113]. Das höchste Risiko für die Entwicklung einer komplizierten Blasenfunktionsstörung haben Frauen mit einem Zervixkarzinom. Durch die radikale Hysterektomie werden große Schäden am Bindegewebe und des die Blase innervierenden Nervengeflechtes verursacht [9, 68, 70, 71]. Dies führte in der betrachteten Stichprobe zu früheren BFS und zu einem vermehrten Auftreten einer BES. Durch die anschließende oder neoadjuvant erfolgende Radiatio sind kurzfristige als auch langfristige Blasenfunktionsstörungen zu erwarten [76, 116]. Anfänglich können sich aber auch Symptome einer Belastungsharninkontinenz durch Umbauprozesse des Urothels mit Fibrose bessern [117]. So finden sich im Patientinnenkollektiv keine BFS nach Radiatio im ersten postoperativen Jahr. Seltene gynäkologische Karzinome sind das Vulva- und Vaginakarzinom. Durch ein radikales lokales Resezieren, insbesondere durch die partielle Urethraresektion, ist das Risiko für eine Harninkontinenz erhöht [73] und bei einer lokalen Radiatio mit einer Beeinträchtigung des Urothels zu rechnen. Allgemein ist es daher notwendig Malignompatientinnen vorher über das individualisierte Risiko der gezielten Krebstherapie aufzuklären. Dadurch ist eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation möglich [120]. Die Zufriedenheit der Patientinnen wird erhöht und sie können häufiger und schneller einer gezielten Behandlung der Blasenfunktionsstörungen zugeführt werden [104]. Wie die Therapie der Blasenfunktionsstörungen entsprechend den vortherapierten Malignomen angepasst werden muss, konnte leider auf Grund des geringen Stichprobenumfangs nicht beantwortet werden. Weitere Informationen sind daher in Hinblick auf erfolgreiche Therapiestrategien der Blasenfunktionsstörung dieser Patientinnengruppe notwendig. Hierzu soll ein Fragebogen dienen, der an Zentren der NOGGO versendet werden soll. Im Anhang ist dieser Fragenkatalog angeführt. Obwohl oder auch gerade weil Malignompatientinnen eine veränderte Selbstwahrnehmung haben [9], ist die ärztliche Betreuung bei Blasenfunktionsstörungen wichtig um die Lebensqualität zu verbessern. Schlussendlich zeigte sich in der betrachteten Stichprobe, dass unter urogynäkologischer Betreuung nie eine Verschlechterung der Symptomatik auftrat und sogar in 72% eine Besserung oder Heilung erreicht werden konnte. Dies ist doch eine gute Motivation für eine bessere Sensibilisierung der Patientinnen und betreuenden Ärzte zum Thema Blasenfunktionsstörungen in der gynäkologischen Onkologie.
| Author: | Jenny Heike Lewerentz |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:gbv:9-opus-125356 |
| Title Additional (German): | lower urinary tract dysfunction in gynecolgical oncology |
| Referee: | Prof. Dr. med. Dominique Könsgen-Mustea, Prof. Dr. med. Peter Oppelt |
| Advisor: | Prof. Dr. med. Dominique Könsgen-Mustea |
| Document Type: | Doctoral Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2025 |
| Granting Institution: | Universität Greifswald, Universitätsmedizin |
| Date of final exam: | 2024/11/15 |
| Release Date: | 2025/01/28 |
| Tag: | Blasenfunktionsstörungen |
| GND Keyword: | Onkologie; Gynäkologie; Inkontinenz; Harnblase |
| Page Number: | 113 |
| Faculties: | Universitätsmedizin / Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde u. Geburtshilfe |
| DDC class: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit |
