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Le droit au juge légal en Allemagne : étude à la lumière du droit français et perspectives européennes
- Das Recht auf den gesetzlichen Richter, das den französischen Juristen relativ unbekannt ist, hat in Deutschland eine große Bedeutung. Ziel dieser Studie ist es, sowohl aus historischer als auch aus vergleichender Sicht zu untersuchen, wie sich das deutsche Recht auf den gesetzlichen Richter als ein zentrales Recht im deutschen Rechtssystem etabliert hat. Dieses Recht, das in Artikel 101 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes von 1949 garantiert wird, ermöglicht es dem Bundesverfassungsgericht, verschiedene Elemente in Bezug auf den Richter und die richterliche Funktion zu schützen. Ursprünglich dazu gedacht, die durch Gesetz und Rechtsverordnung begründete Zuständigkeit der Richter zu gewährleisten, ermöglicht es dieses Recht dem Bundesverfassungsgericht heute, die Einhaltung der Vorschriften zur Gewährleistung der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der Richter sicherzustellen und - unter dem besonderen Gesichtspunkt des Unionsrechts - die Einhaltung der Vorlagepflicht der deutschen Gerichte an den EuGH zu überprüfen. Zunächst zeigt die Analyse der historischen Entwicklung des Rechts auf den natürlichen Richter, zunächst in Frankreich und dann in Deutschland, dass dieses Recht ursprünglich geschaffen wurde, um die Zuständigkeiten der Richter gegenüber der Exekutive zu schützen. Die Anwendung der Rechtsvergleichung hilft, die aktuelle Konzeption dieses Rechts in Deutschland, aber auch das Verschwinden seines französischen Pendants zu erklären. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Stellung des Richters in den beiden Rechtssystemen und insbesondere auf der Suche nach der Unabhängigkeit der Justiz von der politischen Macht. Zweitens lässt sich anhand der aktuellen Konzeption des deutschen Rechts auf den gesetzlichen Richter im Vergleich zum französischen positiven Recht feststellen, dass dieses Recht heute vor allem darauf abzielt, die Achtung der gerichtlichen Zuständigkeiten und der Grundsätze der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit durch die Richter selbst zu gewährleisten. Auch hier ermöglicht es die Rechtsvergleichung, die Besonderheiten der deutschen Konzeption des Rechts auf den gesetzlichen Richter hervorzuheben. Diese ergeben sich insbesondere aus der Existenz eines Rechtsbehelfs, der es dem Bundesverfassungsgericht ermöglicht, die Verfassungsmäßigkeit von rechtskräftigen Gerichtsentscheidungen zu überprüfen. Der Grad an Präzision, der bei der Festlegung des für die Entscheidung eines jeden Rechtsstreits zuständigen Gerichts erforderlich ist, in Verbindung mit der Möglichkeit, die Anwendung der Zuständigkeitsregeln durch die Richter zu überprüfen, machen das deutsche System zu einem der anspruchsvollsten im Hinblick auf die Gesetzmäßigkeit des Gerichts. Ein moderneres Verständnis des Rechts auf den gesetzlichen Richter, verstanden als das Recht auf einen Richter, der die von der Verfassung geforderte Unabhängigkeit und Unparteilichkeit besitzt, ermöglicht es, das deutsche Recht mit dem französischen Recht zu verbinden, das in diesem Bereich stark vom europäischen Recht beeinflusst ist. Schließlich veranschaulicht eine spezifische Studie über die Anwendung des deutschen Rechts auf den gesetzlichen Richter zur Kontrolle der Vorlagepflicht an den EuGH den besonders umfassenden Charakter der Garantie in Deutschland. Durch die Untersuchung des Umfangs dieser Überprüfung können französische Juristen einen neuen Einblick in das europäische Vorabentscheidungsverfahren gewinnen.
- Relatively unknown to French jurists, the right to a lawful judge is extremely important in Germany. The aim of this study is to assess, from both a historical and comparative perspective, how the German right to a lawful judge has established itself as a pivotal right in the German legal system. This right, guaranteed under the second sentence of article 101 paragraph 1 of the Basic Law of 1949, enables the German Federal Constitutional Court to protect various elements relating to the judge and the judicial function. Initially designed to guarantee the competence of judges established by law and administrative regulations, this right now enables the German Constitutional Court to ensure the observance of the rules guaranteeing the independence and impartiality of judges and, from the specific perspective of European Union law, to review respect for the obligation for German courts to refer questions to the Court of Justice for preliminary rulings. First, the study of the historical development of the right to a natural judge, first in France and then in Germany, shows that this right was initially created to protect the competences of judges against the executive. The use of comparative law in time and space helps to explain the current conception of this right in Germany, but also the disappearance of its French equivalent. Emphasis is placed on the evolution of the place of the judge in the two legal systems, and in particular on the judiciary's quest for independence from political power. Secondly, by studying the current conception of the German right to a lawful judge, put into perspective with French positive law, we note that this right today aims above all to guarantee respect for jurisdictional competences and the principles of independence and impartiality by the judges themselves. Once again, comparative law enables us to highlight the specific features of the German conception of the right to a lawful judge. These result in particular from the existence of a remedy enabling the Federal Constitutional Court to review the constitutionality of final court decisions. The level of precision required in predetermining which court has jurisdiction to decide each dispute, combined with the possibility of reviewing the application of the competence rules by the judges, make the German system one of the most demanding in terms of the legality of the court. A more modern conception of the right to a lawful judge, understood as the right to a judge who meets the requirements of independence and impartiality required by the Constitution, makes it possible to link German law with French law, which is strongly influenced by European law in this area. Finally, a specific study of the application of the German right to a lawful judge in order to control the obligation to submit a reference for a preliminary ruling to the Court of Justice of the European Union illustrates the particularly extensive nature of this guarantee in Germany. By studying the scope of this review, French lawyers can gain a fresh insight into the European preliminary ruling mechanism.
| Author: | Dr. Clothilde Melin |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:gbv:9-opus-133965 |
| Referee: | Prof. Dr. Frédérique Ferrand, Prof. Dr. Gernot Sydow, Prof. Dr. Francesco Martucci, Prof. Dr. Angelika Nussberger |
| Advisor: | Prof. Dr. Claus Dieter Classen, Prof. Dr. Aurore Gaillet |
| Document Type: | Final Thesis |
| Language: | French |
| Year of Completion: | 2025 |
| Granting Institution: | Universität Greifswald, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät |
| Date of final exam: | 2025/03/22 |
| Release Date: | 2025/07/22 |
| Page Number: | 683 |
| Faculties: | Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät |
| DDC class: | 300 Sozialwissenschaften / 340 Recht |
| Licence (German): | Urheberrechtlich geschützt |

