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How the Shared Task Representation of Multitasking Shapes Behavioral Flexibility
- When confronted with several tasks, humans regularly decide to perform them concurrently (simultaneous multitasking) or to switch between them (sequential multitasking), although multitasking entails costs like worse performance when compared to executing one task (single tasking). These costs alongside other findings led to the conclusion that the tasks of multitasking settings are integrated into a shared representation, the so-called task model. This dissertation investigated whether the task model limits the flexibility a) to adjust task processing during multitasking (Publication A) and b) to disengage from one of the tasks when shifting to single tasking (Publications B and C). To answer the first question, it was examined whether adjustments are associated with the task model or the task sets. For this, it was assessed whether adjustments are task-unspecific and would transfer to novel tasks. A modified dual-task paradigm was utilized. Two tasks were presented concurrently but the second task, called background task, only required a response if the first task, termed primary task, did not. Adjustments in resource allocation were induced by varying whether the primary or background task had to be executed more often. To investigate whether the adjustments transferred, a second background task was introduced which did not convey the task frequency manipulation. It was found that most resources were administered to the more frequent task and that the adjustments only generalized to the novel background task if it shared a high visual and conceptual overlap with the frequency-biased background task. This pattern advocates task-specific adjustments because otherwise a transfer should have happened irrespective of task similarity. The second question was addressed by investigating the reconfiguration of the task model when shifting to single tasking. For this, one task became irrelevant after simultaneous or sequential multitasking and it was assessed how fast the performance recovered to a baseline single-task level without prior multitasking, termed fade-out costs. Multitasking trials featured additional manipulations to trigger adjustments in resource allocation or task-set activation. Resource allocation was varied by the congruency proportion, namely the number of trials in which the tasks activated the same (congruent) versus opposing responses (incongruent). Task-set activation was modulated during sequential multitasking by varying the switch proportion so that most trials required a task switch or repetition. Results showed that reconfiguring the task model to single-tasking demands was facilitated (i.e., smaller and shorter-lasting fade-out costs) if the concurrent activation of the task sets had been reduced (i.e., low switch proportion) but was unaffected by different degrees of resource sharing (i.e., congruency proportion). Overall, the findings of this dissertation demonstrated that the shared representation of multitasking does not restrict flexibility. On the contrary, the task model did not determine the generality of adjustments since they were not uniformly applied as long as the multitasking context was maintained. Instead, the transfer was tailored to the task characteristics (i.e., task similarity). Also, the flexibility to reconfigure the task model could be increased by inducing adjustments beforehand. Hereby, the findings also provided insight into the underlying characteristics and mechanisms of the task model which are discussed. By this, important implications for related research could be derived, like the debate about a trade-off in adjustments. Also, new options were developed to support people with deficits in multitasking, like older adults. Several limitations to the conclusions alongside promising prospects for future research are discussed, such as uncertainties regarding the underlying mechanisms of adjustments and the influence of individual preferences. In conclusion, this dissertation could advance the knowledge about the shared representations in multitasking context and inspire future research.
- Wenn Menschen mit mehreren Aufgaben konfrontiert sind, führen sie diese oft gleichzeitig aus (simultanes Multitasking) oder wechseln zwischen ihnen hin und her (sequenzielles Multitasking). Dabei ist Multitasking mit Kosten verbunden wie beispielsweise einer schlechteren Leistung, als wenn nur eine Aufgabe zurzeit bearbeitet wird (Einzelaufgaben). Diese Kosten führten zusammen mit weiteren Erkenntnissen zu der Schlussfolgerung, dass die Aufgaben beim Multitasking in eine gemeinsame Repräsentation integriert werden, das so genannte Aufgabenmodell (engl. „task model“). In dieser Dissertation wurde untersucht, ob das Aufgabenmodell die Flexibilität einschränkt, a) die Aufgabenverarbeitung beim Multitasking anzupassen (Publikation A) und b) sich von einer der Aufgaben zu lösen, wenn sich die Aufgabenanforderung auf eine Einzelaufgabe reduziert (Publikationen B und C). Um die erste Frage zu beantworten, wurde untersucht, ob Anpassungen der Aufgabenverarbeitung an das Aufgabenmodell oder die Aufgaben selbst gebunden sind. Hierfür wurde geschaut, ob Anpassungen aufgabenunspezifisch sind und auf neue Aufgaben übertragen werden. Es wurde ein modifiziertes Doppelaufgaben-paradigma verwendet: Zwei Aufgaben wurden gleichzeitig präsentiert, wobei die zweite Aufgabe, die so genannte Hintergrundaufgabe, nur dann eine Reaktion erforderte, wenn die erste Aufgabe, die so genannte Hauptaufgabe, dies nicht tat. Anpassungen in der Ressourcenzuteilung wurden induziert, indem entweder die Haupt- oder Hintergrundaufgabe häufiger ausgeführt werden musste. Um zu untersuchen, ob die Anpassungen übertragen werden, wurde eine zweite Hintergrundaufgabe eingeführt, bei der die Aufgabenhäufigkeit nicht manipuliert wurde. Es zeigte sich, dass die meisten Ressourcen an die öfter ausgeführte Aufgabe zugewiesen wurden und dass die Anpassungen nur auf die neue Hintergrundaufgabe übergingen, wenn diese eine hohe visuelle und konzeptionelle Überschneidung mit der frequenz-manipulierten Hintergrundaufgabe aufwies. Dieses Muster spricht für aufgabenspezifische Anpassungen, da die Übertragung andernfalls unabhängig von der Aufgabenähnlichkeit hätte stattfinden müssen. Die zweite Frage wurde adressiert, indem die Rekonfigurierung des Aufgaben-modells bei einem Wechsel zu Einzelaufgabenanforderungen untersucht wurde. Hierfür wurde nach einer simultanen beziehungsweise sequenziellen Multitasking-Phase eine der Aufgaben irrelevant. Es wurde überprüft, wie schnell sich die Leistung auf das Niveau von Einzelaufgaben ohne vorheriges Multitasking erholte, was als Ausblendkosten (engl. „fade-out costs“) bezeichnet wird. Während des Multitaskings wurden zusätzliche Manipulationen vorgenommen, um Anpassungen auszulösen, entweder in der Art der Ressourcenzuweisung oder der Aktivierung der Aufgaben. Die Ressourcenzuweisung wurde durch den Kongruenzanteil variiert. Das heißt, die Anzahl der Durchgänge wurde verändert, in denen die Aufgaben dieselben (kongruenten) oder entgegengesetzte (inkongruente) Reaktionen erforderten. Die Aktivierung der Aufgaben wurde durch den Anteil von Aufgabenwechseln während des sequenziellen Multitaskings moduliert. Hierfür erforderten die meisten Durchgänge entweder einen Wechsel oder eine Wiederholung der Aufgabe(n). Die Ergebnisse zeigten, dass die Rekonfiguration des Aufgabenmodells zu Einzelaufgabenanforderungen erleichtert wurde (d.h. geringere und kürzer andauernde Ausblendkosten), wenn die gleichzeitige Aktivierung der Aufgaben reduziert worden war (d.h. wenige Aufgabenwechsel im Multitasking). Die Rekonfiguration wurde jedoch nicht durch eine veränderte Ressourcenzuteilung (d.h. den Kongruenzanteil) beeinflusst. Insgesamt zeigen die Ergebnisse dieser Dissertation, dass die gemeinsame Repräsentation im Multitasking die Flexibilität nicht einschränkt. Im Gegenteil, Anpassungen werden nicht tonisch beibehalten, solange der Multitasking-Kontext und somit das Aufgabenmodell gelten. Stattdessen wurde die Übertragung von Anpassungen auf die Aufgabenmerkmale (bspw. die Aufgabenähnlichkeit) zugeschnitten. Außerdem konnte die Flexibilität bei der Rekonfigurierung des Aufgabenmodells erhöht werden, indem vorab Anpassungen im Aufgabenmodell induziert worden waren. Die Ergebnisse lieferten ebenfalls Erkenntnisse über die zugrunde liegenden Merkmale und Mechanismen des Aufgabenmodells, die ausführlicher diskutiert werden. Hierdurch konnten wichtige Implikationen für verwandte Forschungen abgeleitet werden wie die Debatte, ob die Anpassungen in einer wechselseitigen Beziehung zueinanderstehen. Außerdem wurden neue Ideen entwickelt, wie Menschen mit Defiziten im Multitasking, beispielsweise ältere Personen, geholfen werden könnte. Zudem wurden mehrere Einschränkungen der Schlussfolgerungen aber auch vielversprechende Ansätze für zukünftige Forschung erörtert, beispielsweise mögliche Unsicherheiten hinsichtlich der zugrundeliegenden Mechanismen der Anpassungen und der Einfluss individueller Präferenzen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Dissertation das Wissen über geteilte Repräsentationen im Multitasking-Kontext, das Aufgabenmodell, erweitern und Anregungen für künftige Forschungen liefern konnte.
| Author: | Inga LückORCiD |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:gbv:9-opus-140431 |
| Title Additional (German): | Wie die geteilte Aufgabenrepräsentation im Multitasking die Flexibilität des Verhaltens beeinflusst |
| Referee: | Prof. Dr. Rico Fischer, Prof. Dr. Iring Koch, Prof. Dr. Lynn Huestegge |
| Advisor: | Prof. Dr. Rico Fischer, Prof. Dr. Gesine Dreisbach |
| Document Type: | Doctoral Thesis |
| Language: | English |
| Year of Completion: | 2025 |
| Date of first Publication: | 2025/11/14 |
| Granting Institution: | Universität Greifswald, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät |
| Date of final exam: | 2025/10/27 |
| Release Date: | 2025/11/14 |
| GND Keyword: | multitasking; mental representation; flexibility; cognitive control |
| Page Number: | 139 |
| Faculties: | Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Institut für Psychologie |
| DDC class: | 500 Naturwissenschaften und Mathematik / 500 Naturwissenschaften |
