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Vergleich des Obduktionsgutes der Jahre 1989-1991 und 2011-2013 des Institutes für Rechtsmedizin Greifswald unter Berücksichtigung der politischen Wende 1989

  • In der vorliegenden Arbeit wurde retrospektiv auf Grundlage der Sektionsprotokolle der Jahre 1989- 1991 und 2011-2013 aus dem Institut für Rechtsmedizin Greifswald bzgl. Sektionsdatum, Geschlecht, Alter, Anordnungsgründe der Obduktion, Todesursache und Todesart geprüft, wie sich das Sektionswesen in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Die Obduktionsrate ist im Beobachtungszeitraum um 51 % zurückgegangen. So wurden n = 1078 Sektionen im Kollektiv 1 (1989-1991) durchgeführt, während es im Kollektiv 2 (2011-2013) nur n = 524 waren. Dabei stellte sich heraus, dass die Zahl der Gerichtlichen Obduktionen über die Jahre weitestgehend konstant war. Der Rückgang der Obduktionen war auf das Wegfallen der Verwaltungssektionen nach DDR -Recht zurückzuführen. Mithilfe der erhobenen Daten wird ersichtlich, dass sich das Verhältnis der Sektionsart gewandelt hat. Während es sich in den Jahren 1989-1990 um 71 % bzw. 62% Verwaltungssektionen, 28 % bzw. 33% gerichtliche Sektionen und 1 % bzw. 5% Klinische Sektionen handelte, waren es 2011-2013 nur noch Gerichtliche Obduktionen. Ein Trendwechsel ist im Jahr 1991 zu erkennen (14% Verwaltungssektionen, 10% Klinische Sektionen, 76% Gerichtliche Obduktionen). Beachtet werden muss dabei, dass bei der Anordnung einer Verwaltungssektion nach DDR-Recht ein Indikationskatalog mit „Muss“- und „Soll“- Reglungen zu berücksichtigen war. Dabei zeigte sich, dass auf dieser Grundlage viele Verwaltungssektionen aus der „Soll“-Kategorie durchgeführt wurden, die mit heutigen Maßstäben betrachtet als nicht verhältnismäßig gelten würden. Bei Betrachtung der erfassten Anordnungsgründe ist im zeitlichen Verlauf ein erheblicher Wandel festzustellen. 1989 stellen die VKU die größte Gruppe der Anordnungsgründe mit 27,49 % (n = 113) dar, gefolgt von Suiziden (n = 107, 26,03 %), sonstigen Unfällen (n = 86, 20,92 %), unklaren Umständen (n = 51, 12,41 %) und Tötungsdelikten (n = 15, 3,65 %), während 2013 unklare Umstände mit 31,25 % (n = 60) die größte Gruppe der Anordnungsgründe darstellt, gefolgt von gestoppter Kremation (n = 32, 16,67 %), Behandlungsfehlervorwürfen (n = 31, 16,15 %), sonstigen Unfällen (n = 28, 14,58 %) und Suiziden (n = 14, 7,29 %). Eine Besonderheit stellen im Kollektiv 1 auch die Obduktionen aufgrund der Staatsbürgerschaft dar. So neigte man dazu, verstorbene ausländische Staatsbürger gerichtlich zu obduzieren, um vermeintliche diplomatische Konflikte zu vermeiden. Insbesondere der Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle um 89,4 % zeigt, dass durch Fortschritte in der Fahrzeugtechnik, straßenbauliche Maßnahmen und rechtliche Regelungen (z.B. die zulässige Alkoholhöchstmenge) eine erhebliche Reduzierung der Verkehrsunfälle möglich ist. Gleichzeitig zeigt der enorme Anstieg der Sektionen mit Verdacht auf ärztliches Fehlverhalten von nur n = 5 Fällen im Jahr 1989 auf n = 31 im Jahr 2013, dass sich durch das steigende Gesundheitsbewusstsein bei Patienten und Angehörigen und die stetig fortschreitenden wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der Medizin und den Anspruch der Patienten auf eine erhöhte Heilungschance, ein gesteigertes Anspruchsdenken und ein zunehmender Verlust der Obrigkeitshörigkeit, ein erheblicher Wandel im Aufgabenspektrum des rechtsmedizinischen Institutes vollzogen hat. Es hat sich gezeigt, dass die zunehmend aufgrund von unklaren Umständen angeordneten Obduktionen häufig von der Frage des medizinisch unklaren Todes geprägt sind und nicht immer von der Frage nach einem Fremdverschulden. Jedoch wird durch den Rückgang der Obduktionsrate und den Wandel des rechtsmedizinischen Aufgabenbereiches deutlich, dass es von grundlegender Bedeutung ist, auf politischer Ebene Gesetzesänderungen vorzunehmen. Hier wäre ein rechtlich verankertes Instrument im Sinne einer Verwaltungssektion sinnvoll, um auch diese Todesfälle einer Klärung zuzuführen. Diese könnte bei Bedarf auf eine Gerichtliche Obduktion erweitert werden. Gleichzeitig könnte so auch die Obduktionsrate gesteigert und so die Dunkelziffer der potenziell nicht natürlichen Todesfälle, die ärztliches Fehlverhalten, Unfälle, Suizide, und Tötungsdelikte darstellen, reduziert werden.

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Metadaten
Author: Josephine von Au
URN:urn:nbn:de:gbv:9-opus-141137
Title Additional (English):Comparison of autopsy data from the years 1989-1991 and 2011-2013 at the Institute of Forensic Medicine Greifswald, taking into account the political changes of 1989
Referee:Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Giovanni Rubeis, Prof. Dr. med. habil. Britta Bockholdt, Prof. Dr. Jürgen Giebel
Advisor:Prof. Dr. med. habil. Britta Bockholdt
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Year of Completion:2025
Date of first Publication:2025/12/09
Granting Institution:Universität Greifswald, Universitätsmedizin
Date of final exam:2025/12/04
Release Date:2025/12/09
Tag:DDR Recht
GND Keyword:Verwaltungssektion; Obduktion
Page Number:98
Faculties:Universitätsmedizin / Institut für Rechtsmedizin
DDC class:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin und Gesundheit